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Cheddar & Co.: Die bekanntesten britischen Käsesorten

Verschiedene Käsesorten

Wer an die britische Kulinarik denkt, stößt schnell auf ein oft unterschätztes Handwerk: die traditionelle Käseherstellung. Großbritannien blickt auf hunderte Jahre Käsetradition zurück, die weit über das Supermarktfach hinausreicht. Von den schroffen Höhlen Somerset bis zu den grünen Weiden Wales’ prägen regionale Milcherzeugnisse die Esskultur der Insel. Eine Spurensuche zwischen Tradition, modernen Delikatess-Varianten und handwerklichem Engagement.

Cheddar: Die Wiege des Weltstars und seine Edelsorten

Der unangefochtene König unter den britischen Käsesorten ist der Cheddar. Seinen Ursprung hat die Sorte im gleichnamigen Dorf Cheddar in der Grafschaft Somerset. Dort boten die kühlen, feuchten Schluchten und Höhlen – wie die berühmte Cheddar Gorge – bereits im 12. Jahrhundert ideale Bedingungen für die Reifung der Käselaibe.

Charakteristisch für die Herstellung ist das sogenannte Cheddaring: Der Käsebruch wird nach dem Trennen von der Molke in Blöcke geschnitten, mehrfach geschichtet und gewendet. Dadurch entweicht noch mehr Flüssigkeit, was dem Käse seine feste, leicht krümelige Textur und seinen ausgeprägten, nussig-würzigen Geschmack verleiht.

Heute ist Cheddar eine der weltweit beliebtesten Käsesorten, deren Spektrum vom milden Alltagsprodukt bis zu hochpreisigen Delikatessen reicht. In britischen Supermärkten wie Sainsbury’s finden sich neben klassischem Blockkäse und praktisch geriebenen Varianten längst auch Deluxe-Sorten. Unter Siegeln wie „Taste the Difference“ oder bei Traditionshändlern lagern extra gereifte Jahrgangs-Cheddars (Extra Mature oder Vintage), die bis zu zwei Jahre reifen und feine Salzkristalle ausbilden.

 

Bunte Wachshüllen aus Wales und die Vielfalt der Regionen

Ein optisches wie geschmackliches Highlight im britischen Käseregal bilden walisische Spezialitäten. Bekannt sind traditionelle Sorten wie der Snowdonia Black Bomber oder der Y Fenni, die häufig in auffälligen, farbigen Wachshüllen reifen. Die Wachsschicht schützt den feuchten Käseteig vor dem Austrocknen und konserviert das Aroma. Häufig wird walisischer Käse mit regionalen Zutaten wie Senfkörnern, Ale oder Kräutern verfeinert. Neben dem walisischen Käse und dem edlen, blau geäderten Stilton aus den East Midlands reihen sich weitere Klassiker ein: Der milde Wensleydale aus Yorkshire, der oft mit getrockneten Preiselbeeren kombiniert wird, oder der leicht bröckelige Red Leicester mit seiner markanten Farbe.

 

Von Märkten und Wettbewerben

Um die Vielfalt britischer Käseherstellung hautnah zu erleben, lohnt sich ein Besuch spezialisierter Märkte. Als Mekka für Feinschmecker gilt der traditionelle Borough Market in London. Zudem gibt es reine Spezialmärkte wie den Chiswick Cheese Market in West-London. Einmal im Jahr blickt die Fachwelt zudem auf renommierte Auszeichnungen wie die British & Irish Cheese Awards. Dort treten hunderte Produzenten gegeneinander an, um Qualität, Textur und Aroma ihrer Erzeugnisse von einer Fachjury bewerten zu lassen. Wer in der Schweiz auf der Suche nach authentischem Inselgeschmack ist, wird im British Cheese Deli in Zürich in der Viadukt-Markthalle fündig. Dort lässt sich eine Auswahl originaler Hofkäse direkt vor Ort probieren und beziehen.

 

Perfect Match: So kombiniert man britischen Käse

Die britische Käsekultur zeichnet sich auch durch ihre traditionellen Begleiter aus:

  • Cheddar & Craft Ale: Ein reifer Cheddar harmoniert hervorragend mit einem malzigen British Pale Ale oder einem kräftigen Stout. Die Kohlensäure und die Bitterstoffe des Biers schneiden durch die Fettstruktur des Käses.
  • Stilton & Portwein: Der Klassiker zur Weihnachtszeit. Die süße Fruchtnote eines Ruby oder Tawny Ports gleicht die scharfe Salzigkeit des Blauschimmelkäses perfekt aus.
  • Walischer Käse & Chutney: Würzig-süße Frucht-Chutneys auf Basis von Äpfeln, Zwiebeln oder Pflaumen passen ideal zu den oft mit Kräutern oder Bier verfeinerten Käsesorten aus Wales.
  • Ploughman’s Lunch: Die traditionelle Zwischenmahlzeit kombiniert kalten Käse mit Krustenbrot, Butter, Pickles (eingelegtem Gemüse) und einem frischen Apfel.

     

Handwerk unter Druck: Wie man den Bauern hilft

Obwohl die Nachfrage nach Qualitätskäse hoch ist, steht das traditionelle Käserhandwerk in Großbritannien vor Herausforderungen. Hohe Energie- und Futterkosten sowie der Preisdruck durch industrielle Großmolkereien machen vielen kleineren Familienbetrieben zu schaffen. Dennoch erlebt die handwerkliche Milchverarbeitung (Farmhouse Cheese) dank einer engagierten Food-Szene eine kleine Renaissance.

Wer britische Milchbauern und traditionelle Käser unterstützen möchte, kauft am besten direkt ab Hof, auf lokalen Bauernmärkten oder bei spezialisierten Käsehändlern – Cheesemongers genannt. Achten sollte man beim Kauf auf Bezeichnungen wie Farmhouse Cheese oder das Label der Specialist Cheesemakers Association (SCA), das garantiert, dass der Käse nach traditionellen Verfahren direkt aus der Milch eigener oder lokaler Herden hergestellt wurde.

Mondreisen und steile Hänge: Der britische Käse-Kult

Hier haben wir für Sie zwei typisch exzentrische Käse-Stories: Wenn man über skurrile britische Käse-Feste spricht, kommt man am Cooper’s Hill Cheese-Rolling in Gloucestershire nicht vorbei. Jeden Frühling stürzt sich eine Meute Wagemutiger einen extrem steilen Hügel (50 Prozent Gefälle) hinab, um einem rund vier Kilogramm schweren, rollenden Käselaib nachzujagen. Im Weltall liebt man den Cheddar ebenso: Britische Astronauten nahmen extra verpackten Cheddar mit auf die Internationale Raumstation ISS, weil er als eines der wenigen Lebensmittel auch in der Schwerelosigkeit seinen intensiven Geschmack behält.

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Leserbriefe (3)

  • KRB
    am 04.09.2026
    Vielleicht sollten Sie britischen Käse ins Verkaufsprogramm aufnehmen. Und Branston gleich dazu.
    Mfg KRB
  • Ursula Conrad
    am 05.09.2026
    Liebe Damen und Herren der Redaktion,

    ich freue mich immer sehr über die wöchentlichen, informativen und interessanten Newsletter wie beispielsweise heute über "Cheddar & Co".
    Aber - nachdem nun der Appetit und die Lust angeregt wurden, stelle ich fest, dass es im Shop keinen einzigen Käse zu kaufen gibt. Auch der weihnachtliche Blue-Cheese (Stilton), den ich jedes Jahr im Steingut-Gefäß gekauft habe ist schon länger nicht mehr im Angebot. Sehr schade! Und die Frage sei erlaubt: warum?
    Freundliche Grüße aus dem Saarland
    Ursula Conrad
  • Julia Stüber
    am 10.09.2026
    Hallo Frau Conrad, hallo "KRB",

    es liegt leider am Brexit, dass wir aus England keinen Käse mehr anbieten können - sonst würden wir gerne gerade den Weihnachts-Stilton wieder ins Programm nehmen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Julia Stüber
    Content Managerin

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