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Jane Austen 2026: Sinn und Sinnlichkeit & ein neuer Mr. Darcy

Jane Austen 2026: Sinn und Sinnlichkeit & ein neuer Mr. Darcy

Die Klassiker sind 2026 zurück auf der Leinwand – und zwar gleich in großer Zahl. Wuthering Heights kam Anfang des Jahres in einer neuen Verfilmung ins Kino, Netflix arbeitet an einer Neuauflage von Edith Whartons The Age of Innocence, und nun ist Jane Austen gleich doppelt an der Reihe. Neben „Sinn und Sinnlichkeit” folgt im Dezember eine neue sechsteilige Netflix-Verfilmung von „Stolz und Vorurteil“. 2026 ist damit ein echtes Austen-Comeback-Jahr.

Dreißig Jahre nach Emma Thompson und Kate Winslet sind die Dashwood-Schwestern zurück auf der großen Leinwand. Seit dem 25. September läuft Georgia Oakleys neue Verfilmung von Jane Austens Sense and Sensibility in den britischen und irischen Kinos, am 15. Oktober folgt Deutschland. Und wer beim Wort Jane Austen bereits Empirekleider, gestärkte Hauben und makellose Landsitze vor Augen hat, dürfte überrascht sein. Oakleys England ist windiger, erdiger und schmutziger – aber keineswegs weniger romantisch!

Das Timing ist dabei fast schon auffällig: Vor ziemlich genau dreißig Jahren kamen ebenfalls zwei Austen-Adaptionen auf den Bildschirm, die unser Bild ihrer Figuren bis heute prägen. 1995 spielte Emma Thompson Elinor Dashwood neben Kate Winslet als Marianne in Jane Austens „Sinn und Sinnlichkeit“, während Jennifer Ehle und Colin Firth als Elizabeth Bennet und Mr. Darcy in der BBC-Serie „Pride and Prejudice“ zu sehen waren. Drei Jahrzehnte später werden ausgerechnet diese beiden Geschichten fast gleichzeitig für eine neue Generation neu erzählt. Interessant ist deshalb nicht nur, wer diesmal Elinor, Marianne, Elizabeth und Darcy spielt, sondern auch, wie sehr Jane Austen 2026 noch nach Jane Austen aussehen darf.

Zwei Schwestern, zwei Arten zu lieben

Die Ausgangslage ist seit 1811 dieselbe. Nach dem Tod ihres Vaters verlieren Elinor und Marianne Dashwood ihr bisheriges Zuhause und müssen mit ihrer Mutter und jüngeren Schwester Margaret in wesentlich bescheidenere Verhältnisse ziehen. Geld, gesellschaftlicher Rang und die Frage, wen eine Frau überhaupt heiraten darf, mischen sich fortan zuverlässig in die Liebe ein. Elinor beherrscht ihre Gefühle, Marianne lebt ihre aus – Austens berühmtes Paar aus „Sinn“ und „Sinnlichkeit“.

Daisy Edgar-Jones, bekannt aus Normal People und Twisters, übernimmt Elinor; Esmé Creed-Miles aus Hanna spielt Marianne. Dazu kommt eine Besetzung, die allein schon Grund genug für einen Kinobesuch ist: Outlander-Star Caitríona Balfe spielt Mrs. Dashwood, George MacKay aus dem Kriegsdrama „1917“ Edward Ferrars, Frank Dillane den verführerischen Willoughby und der Norweger Herbert Nordrum, bekannt aus “Der schlimmste Mensch der Welt“, Colonel Brandon. Fiona Shaw – Harry Potters penetrante Tante Petunia – tritt als Mrs. Jennings auf, die indiskrete und obligatorische Austen-Verwandte, die sich mit Begeisterung in das Liebesleben anderer einmischt.

Jane Austen ohne Museumsstaub

Regisseurin Georgia Oakley, die 2022 mit ihrem vielfach ausgezeichneten Debüt „Blue Jean” auffiel, versucht dabei nicht, Ang Lees berühmten Film von 1995 nachzubauen. Ihre Version wirkt körperlicher und unmittelbarer. Kameramann Arnaud Potier drehte auf 35-mm-Film und arbeitet viel mit natürlichem Licht, Landschaft und Wetter. Das Ergebnis erinnert stellenweise eher an die wilde Romantik eines Brontë-Romans als an das ordentlich zurechtgerückte Bild, das wir mit Jane Austen verbinden.

Modernisiert wird dabei weniger durch offensichtliche Anachronismen als durch den Blick auf die Figuren. Drehbuchautorin Diana Reid lässt Austens gesellschaftliche Mechanismen stehen: Frauen sind wirtschaftlich abhängig, Erbschaften entscheiden über Lebenswege und eine falsche romantische Entscheidung kann weit mehr kosten als ein gebrochenes Herz. Gerade deshalb funktioniert die Geschichte auch 2026 erstaunlich gut. Finanzielle Unsicherheit, Erwartungen an Beziehungen und die ewige Frage, wie viel Gefühl man zeigen sollte, brauchen weder Smartphone noch KI, um gegenwärtig zu wirken.

Stolz, Vorurteil und Konkurrenz für Mr. Darcy

Eine ähnliche Wirkung dürfte Netflix mit der nächsten großen Austen-Neuverfilmung anstreben. Am 3. Dezember startet die sechsteilige Serie Pride and Prejudice, geschrieben von Bestsellerautorin Dolly Alderton und inszeniert von Heartstopper-Regisseur Euros Lyn. Netflix kündigt eine Adaption an, die sich eng am Roman von 1813 orientiert, und die ersten Bilder sehen tatsächlich eher nach einem klassischen englischen Period Drama als nach Bridgerton aus. Emma Corrin übernimmt die Rolle von Elizabeth Bennet, Jack Lowden aus Slow Horses tritt als Mr. Darcy in die Fußstapfen von Colin Firth und Matthew Macfadyen, Freya Mavor spielt Jane und Daryl McCormack spielt Mr. Bingley. Olivia Colman als Mrs. Bennet und Rufus Sewell als ihr leidgeprüfter Ehemann, Mr. Bennet, versprechen schon für sich genommen grandiose Unterhaltung. Die beiden als Ehepaar Bennet? We cannot wait.

Gerade Sewells Besetzung sorgt schon vor dem Start für amüsante Diskussionen unter Austen-Fans: In den sozialen Medien wird durchaus gefragt, warum ausgerechnet der zurückgezogene Familienvater Mr. Bennet diesmal so attraktiv besetzt wurde – ein Kommentar brachte die Überraschung mit „sexy Mr Bennet“ ziemlich gut auf den Punkt. Der eigentliche romantische Kandidat bleibt natürlich Jack Lowdens Mr. Darcy, während Louis Partridge als George Wickham ebenfalls Konkurrenz um die Aufmerksamkeit bekommen dürfte. Dreißig Jahre nach Colin Firths berühmtem Darcy und gut zwanzig Jahre nach Matthew Macfadyens Version mit Keira Knightley wird sich ab Dezember also zeigen, ob eine weitere Generation ihren eigenen Mr. Darcy braucht – Netflix ist jedenfalls überzeugt davon. 

Schluss mit der Regency-Zuckerbäckerei

Auch optisch hat Georgia Oakley wenig Interesse am Regency-Bombast, den Bridgerton in den vergangenen Jahren zum Welterfolg gemacht hat. Und wo Sofia Coppola in Marie Antoinette historische Genauigkeit bereitwillig gegen pastellfarbene Seide, extravagante Schuhe und opulente Roben eintauschte, geht Sense and Sensibility fast in die entgegengesetzte Richtung. Kostümdesignerin Grace Snell, die bereits für The Souvenir und The Outrun gearbeitet hat, siedelt den Look bewusst in den späten 1790er-Jahren an. Gemeinsam mit der Kleiderhistorikerin Eleanor Houghton recherchierte sie erhaltene Kleidungsstücke und Stoffe; als Inspiration dienten unter anderem Thomas Lawrences „Pinkie“ von 1794 sowie Zeichnungen von Henry Fuseli.

Bei den Dashwoods beginnt die Garderobe nach dem Tod des Vaters entsprechend zurückhaltend in Schwarz und Grau. Auf dem Land trägt Daisy Edgar-Jones als Elinor schlichte, hochgeschlossene Kleider, Capes und eine sogenannte cap hood, also eine Kapuzenhaube anstelle des klassischen Austen-Bonnets; später kommen natürlich gefärbte Braun-, Gelb- und Beerentöne hinzu. Einzelne Kleidungsstücke und Accessoires tauchen mehrfach auf oder werden sogar zwischen den Schwestern weitergegeben – ein korallfarbenes Band etwa tragen sowohl Marianne als auch Margaret. In London verändert sich das Bild: Beim Ball in West Wycombe Park kommen Rüschen, Schmuck, tiefere Dekolletés und aufwendigere Kopfbedeckungen ins Spiel, während wohlhabende Figuren wie Fanny deutlich modischer auftreten. 

Kleidung zeigt hier ganz nebenbei, was bei Austen ohnehin nie weit entfernt ist: Geld, gesellschaftlicher Rang und die Frage, wer es sich leisten kann, dazuzugehören.

Jane Austen zum Anfassen

Wer die Kostüme aus nächster Nähe sehen möchte, kann derzeit einen der Drehorte besuchen. Rainham Hall, ein denkmalgeschütztes georgianisches Herrenhaus des National Trust im Osten Londons, diente im Film als Interieur von Mrs Jennings’ Haus. Das 1729 erbaute, als Grade I gelistete Haus wurde für die Dreharbeiten entsprechend umgestaltet und zeigt noch bis zum 19. Dezember in zwei der als Filmsets genutzten Räume die Ausstellung „Filming Sense and Sensibility at Rainham Hall“. Zu sehen sind Originalkostüme und Requisiten aus dem Film sowie Einblicke hinter die Kulissen der Dreharbeiten – für Austen-Fans also derzeit ein perfekter Grund für einen Abstecher nach London.

„Sinn und Sinnlichkeit“ startet am 15. Oktober 2026 in den deutschen Kinos.

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