Was fasziniert die Menschen so an englischen Gärten? Ist es das scheinbar Ungeordnete in unserem durchgetakteten, hektischen und an Perfektion orientierten Leben, das uns ein beruhigendes Gefühl vermittelt? Ist es die Geborgenheit, wenn man durch den Torbogen in einer Hecke tritt und wieder in einen ganz neuen, verwunschenen Bereich kommt, möglicherweise von schützenden Mauern umgeben? Sind es die Ruhe oder die Möglichkeit, sich in verschiedene Winkel zurückziehen oder sich sogar darin verstecken zu können? Wir möchten im Folgenden versuchen, mögliche Antworten auf diese Fragen zu finden, denn die englische Gartenkultur ist vielseitig und jeder Mensch findet darin etwas anderes, was ihm gefällt.
A – Arbour (Laube)
Eine meist von Kletterrosen oder Glyzinien bewachsene Sitzecke mit Dach, die viele Menschen in England mögen, weil sie einen charmanten und schattigen Rückzugsort bietet. Häufig sind diese Lauben aus Holz gebaut, in den parkähnlichen Gärten von Herrenhäusern jedoch meist aus Stein oder Schmiedeeisen.
B- Bramley Apple
Sehr beliebter, britischer Kochapfel, der zwar ziemlich sauer ist, beim Kochen aber eine herrlich weiche Konsistenz entwickelt. Er ist relativ groß und eignet sich ganz wunderbar für Crumble oder andere Gebäcke. In Southwell in Nottinghamshire steht der über 200 Jahre alte Originalbaum. Es handelt sich um einen Zufallssämling, den die Engländerin Mary Ann Brailsford Anfang des 19. Jahrhunderts anpflanzte. Das Grundstück wurde später an Matthew Bramley verkauft, der es einem Züchter erlaubte, den Apfel weiter zu züchten, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Sorte seinen Namen bekommen würde.
C – Cottage Garden
Ein gemütlicher und zugleich funktionaler Garten, der sich an ein Cottage anschließt. Früher hatte er mit dem Schwerpunkt auf Obst, Gemüse und Kräutern eine rein praktische Funktion. Heute mischen sich Nutzpflanzen mit allerlei Zierpflanzen. Ein Cottage Garden zeichnet sich durch eine dichte Bewachsung aus, die gerne als „ungeplant geplant“ umschrieben wird. Anmut, Charme und das pure Wohlfühlen zählen bei dieser Gartenform mehr als eine geordnete Struktur.
D – Daffodils (Osterglocken/Narzissen)
Bei der Narzisse handelt es sich nicht nur um die Nationalblume von Wales, sondern sie gilt in Großbritannien als der Inbegriff von Frühling. Außerdem ist sie Titel eines weltberühmten Gedichts der englischen Romantik von William Wordsworth aus dem Jahr 1804.
E – Eden Project
Ein rund 50 Hektar großer botanischer Garten bei Bodelva in Cornwall, der zu einer bedeutenden Sehenswürdigkeit geworden ist und im Jahr 2019 von über 1 Millionen Menschen besucht wurde. Neben der Vielzahl an exotischen Pflanzen besticht das Eden Project auch durch seine Optik, denn die Gewächshäuser sehen aus wie riesengroße durchsichtige halbierte Fußbälle.
F – Foxglove (Fingerhut)
Gilt als typisch britische Pflanze. Insbesondere den roten Fingerhut findet man in vielen Cottage Gärten. In den schottischen Highlands wächst die Pflanze übrigens wild. Aber Vorsicht! Fingerhut ist sehr giftig.
G – Greenhouse (Gewächshaus)
Gewächshäuser sind ein typischer Bestandteil der englischen Gartenkultur. Egal, ob einfach nur als viktorianisches Schmuckstück oder als funktionelles und praktisches Haus für die Anzucht von Pflanzen, Gewächshäuser gehören für viele Engländerinnen und Engländer einfach zum Garten dazu. Insbesondere seit der Abschaffung der Glassteuer im viktorianischen Zeitalter wurde das Gewächshaus erschwinglich und erfreute sich zunehmender Beliebtheit. Durch den Ausbau des Schienenverkehrs konnten Samen aus weit entfernten Ländern nach England transportiert werden und im Schutz von Gewächshäusern gedeihen.
H – Hidcote Manor Garden, Gloucestershire
In den Cotswolds gelegener vom Arts and Crafts-Stil inspirierter Garten, der in den Sommermonaten täglich von 10 – 17 Uhr besucht werden kann. Es gibt auf dem Gelände auch ein Café, ein Geschäft und ein Antiquariat.
I – Ivy (Efeu)
Wächst an Mauern, Lauben und Bäumen. Die immergrüne Kletterpflanze ist von den begrünten Backsteinfassaden ebenso wenig wegzudenken wie aus viktorianischen Gärten. The Ivy ist zudem eine beliebte britische Restaurantkette, dessen Original 1917 im Londoner West End gegründet wurde.
J – Jekyll, Gertrude
Begründerin des englischen Landhausstils, Gartengestalterin und Autorin. Gertrude Jekyll wurde am 29.11.1843 in Mayfair in London geboren und verstarb am 08.12.1932 in Munstead Wood, Surrey.
K – Kew Gardens
Die Royal Botanic Gardens in Kew zählen zu den ältesten botanischen Gärten auf der ganzen Welt. Es handelt sich um eine Parkanlage mit unterschiedlichen Gewächshäusern und Rhododendronbereichen. Zwei Millionen Besuchende pilgern jedes Jahr zu den Kew Gardens.
L – Levens Hall
Englischer Landsitz südlich von Kendal mit seit dem 17. Jahrhundert weitgehend unveränderten über vier Hektar großen Gärten. Hier befinden sich neben den ältesten Formschnitten der Welt auch ein romantischer Obstgarten und Staudenrabatten, die zu den schönsten in England zählen. Haus und Gärten können noch bis November besichtigt werden.
M – Mixed Border
Ein gemischtes Beet als Herzstück, erfunden von Gertrude Jekyll. Häufig werden hierbei Stauden, Rosen und Sommerblumen in unterschiedlichen Farben und Höhen mit Gehölzen kombiniert.
N – Nationalblumen des Vereinigten Königreichs
Diese sind die englische Rose, die schottische Distel, die walisische Narzisse und das irische Kleeblatt.
O – Orangerie
Gewächshaus für Zitrusfrüchte, das man in vielen alten Herrenhäusern findet. Beispiel für eine Orangerie: Das Gelände von Kensington Palace.
P – Ponds
Teiche oder Tümpel. Sehr bekannt und beliebt sind die Hampstead Heath Ponds, von denen einige als Schwimmteiche genutzt werden können. Zwei davon sind sogar nach Geschlechtern getrennt. Der Men's Pond ist nur für Männer, der Ladyies‘ Pond nur für Frauen.
Q – Quiet Garden
Immer mehr Gartenliebhaberinnen und Gartenliebhaber richten sich eine Stille Ecke in ihrem Garten ein, insbesondere, wenn sie über viel Platz verfügen. In England sind diese ruhigen Plätze zum Sitzen, Lesen und Tee trinken sehr beliebt.
R – Rosengärten
Typisch britisch und weltberühmt! Besonders populär: David Austin Roses in Shropshire.
S – Sissinghurst Castle
In der Grafschaft Kent gelegen befindet sich dieser historische Landsitz mit seinen berühmten Gärten, die von Harold Nicolson und Vita Sackville-West angelegt wurden. Es gibt zehn abgeschlossene Bereiche auf einem fünf Hektar großen Gelände. Die Gärten von Sissinghurst zählen zu den bekanntesten Gärten Englands und werden häufig zuerst genannt, wenn es um die Frage geht, welchen Garten man besuchen sollte.
T – Teahouse
Neben eigens angelegten Teegärten werden gerade in öffentlich zugänglichen Gärten Teehäuser zur Stärkung mit Tee in Kombination mit beispielsweise Scones und Clotted Cream immer beliebter und laden zum Verweilen, Erholen und Entspannen ein.
U – Umbrella Tree
Die sogenannte Schirm-Magnolie ist zwar kein typisch englisches Gewächs, aber man findet sie in nahezu jedem botanischen Garten in England, beispielsweise in Kew.
V – Vegetable Garden
Fest in der englischen Kultur verankert ist der Küchengarten. Dabei handelt es sich um einen meist abgetrennten Gartenbereich, in dem Obst, Gemüse und Kräuter angebaut werden. Den vegetable Garden oder auch kitchen garden gibt es bereits seit dem Mittelalter.
W – Walled Garden
Ein ummauerter Garten, der insbesondere in der viktorianischen Zeit populär wurde. Die Mauern speichern die Wärme und schützen die Pflanzen gleichzeitig vor kaltem Wind, Frost und Tieren.
X – X-Brace
Verstrebung am Spalier für Kletterrosen, die man häufig in „Garden Rooms“ findet.
Y – Yard
Engländerinnen und Engländer bezeichnen ihre Hinterhofgärten als Backyard Garden.
Z – Zinnia
Zinnien sind eigentlich keine englischen Pflanzen, aber man findet sie inzwischen in nahezu jedem Mixed Border. Die farbenfrohen Korbblütler erfreuen sich in England großer Beliebtheit.
Gartenreisen nach England boomen ungebrochen, denn sie ziehen gleichermaßen Gartenliebende und Erholungssuchende an. Die Vielfalt ist riesig. Es gibt die exotische Pflanzenvielfalt in botanischen Gärten, kulturell geprägte Gärten, künstlerisch herausragende Gärten und geschichtsträchtige Gärten. Wir erleben sowohl riesige Landschaftsparks als auch liebevoll angelegte Privatgärten, denn in England liebt man das Gärtnern auch im Kleinen. Auch die Chelsea Flower Show ist jedes Jahr ein Besuchsmagnet. Wenn man Gärten in England besucht, taucht man in eine andere Welt ein, der Alltag bleibt draußen.
Vergessen Sie doch auch einfach mal den Alltagsstress, setzen Sie sich in einen Garten und lauschen Sie dem Zwitschern der Vögel, beobachten Sie die Insekten, spüren Sie den Wind auf Ihrer Haut und in den Haaren und riechen Sie den Duft der Pflanzen. Sie werden sich fühlen wie nach einem Kurzurlaub. Und vielleicht haben Sie dann ja auch Lust auf einen richtigen Urlaub und besuchen einige der wunderschönen Gärten Englands.


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