Wussten Sie, dass man in Wales nicht nur mit historischen Zügen fahren, sondern bei manchen Bahnen sogar selbst mit anpacken kann? Die „Great Little Trains of Wales“ führen durch traumhafte Landschaften und erzählen zugleich die Geschichte eines Landes, in dem einst Pferde und später Dampflokomotiven Waggons voller Kohle oder Schiefer zogen.
Zwölf kleine Bahnen mit grosser Geschichte
Die „Great Little Trains of Wales“ vereinen zwölf historische Schmalspurbahnen. Sie führen durch unterschiedliche Landschaften und Regionen des Landes, von den Bergen von Eryri (Snowdonia) bis zu den grünen Tälern und Küstengebieten. Schmalspurbahn bedeutet, dass der Abstand zwischen den Schienen geringer ist als bei den grossen Eisenbahnen. Sie schlängelten sich durch enge Täler, über Brücken und in abgelegene Bergbaugebiete. Ihre Geschichte ist eng mit der industriellen Vergangenheit von Wales verbunden. In den Bergwerken und Steinbrüchen wurden Kohle, Schiefer und anderes Material gewonnen. Zunächst mussten Pferde die schweren Wagen ziehen. Später übernahmen kleine Dampflokomotiven diese Aufgabe und brachten das Material aus den Tälern zu den Häfen und größeren Bahnstrecken.
Llanfair Caereinion als Startpunkt
Schon der kleine Bahnhof von Llanfair Caereinion in Mittelwales hat uns begeistert. Im gemütlichen Café duften die Welsh Cakes, freundliche Freiwillige begrüssen die Gäste, und im Shop entdecken wir sogar niedliche kleine Lämmchen aus Wolle. Daneben stehen Regale voller Secondhand-Bücher – natürlich vor allem über Eisenbahnen. Offenbar ist solch Secondhand-Buchladen eine geradezu walisische Tradition: Auch auf dem National Trust Herrenhaus Llanerchaeron, das wir ebenfalls besucht haben, gibt es einen Secondhand-Buchladen. Bücher werden in Wales eben noch geschätzt. Der Erlös aus dem Verkauf kommt der jeweiligen historischen Stätte oder eben in unserem Fall der Llanfair & Welshpool Light Railway zugute.
Volldampf? – Nicht an diesem Tag!
Eigentlich haben wir uns natürlich auf eine Fahrt mit einer schnaufenden Dampflokomotive gefreut. Doch daraus ist bei unserem Besuch nichts geworden. Wegen der herrschenden Trockenheit besteht gerade erhöhte Brandgefahr, weshalb die Dampflok nicht eingesetzt werden darf. Doch echte Bahnfans müssen eben flexibel sein: Statt des Dampfrosses kommt nämlich eine historische Diesellokomotive zum Einsatz. Und auch das hat seinen ganz eigenen Reiz. Gemächlich setzt sich der Zug in Bewegung und zieht uns durch die grüne Landschaft von Powys. Schafe stehen auf den Weiden, Hecken säumen die Strecke und immer wieder öffnen sich schöne Blicke über die walisische Landschaft.
Freiwillige halten die Geschichte am Laufen
Dass diese Bahnen überhaupt noch fahren, ist zu einem grossen Teil engagierten Freiwilligen zu verdanken. Bei einigen Bahnen können auch Besucher als Volunteers mithelfen. Wer ein paar Tage Zeit mitbringt, kann beispielsweise bei Unterhaltsarbeiten unterstützen und gleichzeitig hinter die Kulissen einer historischen Bahn schauen. Teilweise gibt es sogar einfache Unterkünfte vor Ort, die für wenig Geld genutzt werden können.
Kleine Züge, grosse Erlebnisse
Wer Wales bereist, sollte sich unbedingt Zeit für eine Fahrt mit einer der „Great Little Trains“ nehmen. Es muss nicht immer die grosse Eisenbahn sein. Gerade die kleinen Züge führen oft dorthin, wo die grossen Linien nie hinkommen – mitten hinein in die Landschaft und Geschichte des Landes.


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