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Thinking Out Loud: Ed Sheeran

Thinking Out Loud: Ed Sheeran wird 35

Am 17. Februar feiert Ed Sheeran seinen 35. Geburtstag. Ein Anlass, genauer hinzusehen, wie aus einem Straßenmusiker einer der erfolgreichsten Musiker seiner Generation wurde. Streamingrekorde, ausverkaufte Stadiontourneen und eine der umsatzstärksten Tourneen der Musikgeschichte prägen seine Laufbahn. Gleichzeitig haftet ihm bis heute etwas Widerständiges an.

Ed Sheeran wurde 1991 im nordenglischen Halifax geboren, einer ehemaligen Industriestadt in West Yorkshire, weit entfernt von der Londoner Musikszene und ihrem Glanz. Schon in jungen Jahren wuchs er im idyllischen Framlingham in Suffolk auf, wo Musik früh Teil seines Lebens wurde — angefangen im Kirchenchor, später mit der eigenen Gitarre. Als Teenager spielte er auf der Straße, in Pubs und kleinen Clubs, manchmal stundenlang, oft vor wenig Publikum. Bekannt wurde er nicht durch einen klassischen Durchbruch, sondern durch konsequente Präsenz, Mixtapes, soziale Medien und eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Auftritten, die ihm schließlich erste Aufmerksamkeit in der britischen Musikszene verschafften.

Großes Talent trifft auf großes Ego

Ed Sheeran kennt seine Position sehr genau. Er zählt zu den erfolgreichsten Popmusikern seiner Zeit und ist sich bewusst, dass er polarisiert. Er weiß, dass er für einen Teil des Publikums, auch nach ausverkauften Stadiontourneen, Milliarden Streams und zahlreichen Auszeichnungen, weiterhin eine Projektionsfläche bleibt.

Die Reibung entsteht allerdings weniger wegen seiner Musik als wegen seiner Einstellung. Sheeran verschweigt seinen Ehrgeiz nicht; er spricht offen über Leistungswillen und Disziplin. Er relativiert seinen Erfolg nicht, entschuldigt sich nicht dafür und zeigt keine übermäßige Bescheidenheit. Er spricht über Reichweite, Zahlen und Wirkung — sachlich, direkt und ohne Absicherung. Gerade diese Offenheit stößt bei einigen auf Widerstand. In einem kulturellen Umfeld, in dem Zurückhaltung oft höher geschätzt wird als Klarheit, wirkt diese Haltung schnell provozierend.

Die Alben, ihre kryptischen Titel und Bedeutung

Ed Sheeran benennt seine wichtigsten Studioalben seit 2011 nach einem bewusst einfachen System. Die Titel bestehen aus mathematischen Symbolen, die ausgesprochen werden können. Plus, Multiply, Divide, Equals, Subtract. Sheeran erklärte mehrfach, dass er neutrale Titel suchte, ohne emotionale Vorprägung. Die Rechenzeichen sollten Struktur vermitteln, ohne inhaltliche Deutung vorzugeben. Gleichzeitig verstand er seine Karriere als fortlaufenden Prozess, in dem Phasen aufeinander aufbauen oder sich wieder zurücknehmen.

Mit + (Plus) begann 2011 seine Laufbahn als akustisch geprägter Songwriter. x (Multiply) aus dem Jahr 2014 markierte den internationalen Durchbruch, ÷ (Divide) 2017 den kommerziellen Höhepunkt mit weltweiten Chartplatzierungen. Nach dem kollaborativen Zwischenprojekt von 2019 kehrte Sheeran 2021 mit = (Equals) zur Serie zurück und verarbeitete persönliche Veränderungen in einem klaren Popformat. – (Subtract) von 2023 bildete den bewussten Abschluss der Symbolreihe. Reduziert, akustisch und direkt entstand das Album aus einer Phase persönlicher Krisen.

Mit Play (2025) löste sich Sheeran erstmals von dem mathematischen Namenssystem. Der Titel markiert einen Neuanfang nach dem Ende der Symbolserie und steht für eine offenere, weniger konzeptionell gebundene Arbeitsweise.

Life goes on

Privat hat sich Sheerans Leben in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Passend zum gleichnamigen Song ging das Leben weiter, wenn auch deutlich anders. Mit der Geburt seiner Töchter in den Jahren 2020 und 2022 endete eine Phase intensiven Tourlebens, die er selbst rückblickend kritisch einordnet. Alkohol, Partys und Schlafmangel spielten damals eine große Rolle. Heute bestimmen andere Strukturen seinen Alltag. Vatersein, feste Abläufe und bewusster Rückzug haben Priorität.

Auslöser dieser Veränderung waren persönliche Krisen. Der Tod seines engen Freundes Jamal Edwards, gesundheitliche Sorgen um seine Frau Cherry Seaborn und ein öffentlich geführter Plagiatsprozess trafen ihn innerhalb kurzer Zeit. Sheeran spricht offen über depressive Phasen, Schuldgefühle und den Schritt zur therapeutischen Begleitung.

So bleibt sich Sheeran treu

Live bleibt Ed Sheeran seiner Arbeitsweise treu. Auch im Stadion steht er häufig allein auf der Bühne  – nur mit Gitarre und Loopstation.. Technische Probleme löst er pragmatisch, indem er Songs reduziert und weiterspielt, ohne den Ablauf zu stören. Große Gesten interessieren ihn dabei weniger als Verlässlichkeit und Kontrolle über das eigene Material.

Perfect ist einer seiner bekanntesten Songs. Wer ist das schon? Sheeran arbeitet jedenfalls dran. Offensichtlich konsequent und mit klarem Verständnis für das eigene Tempo.

Well done, and Happy Birthday, Ed Sheeran

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