Es scheint kaum etwas Britischeres zu geben als Cricket. Und doch ist es von außen betrachtet, erst einmal verwirrend. Denn zwei Mannschaften treten in einer Kombination aus Schlagen, Fangen und Laufen gegeneinander an. Wann hat eine Mannschaft ein Punkt gemacht? Und was hat es mit der kleinen Holzkonstruktion auf sich?
Die Geschichte des Cricket
Man geht davon aus, dass Cricket in England spätestens im 16. Jahrhundert gespielt wurde. Zur Tudorzeit, in welcher auch König Heinrich VIII lebte, blühte das Spiel regelrecht auf und wurde seither über Jahrhunderte in verschiedenen Varianten gespielt. 1788 kodifizierte der Marylebone Cricket Club (MCC) die offiziellen Spielregeln und legte unter anderem Standards für Schläger, Ball, die Größe des Wickets und die Abmessungen des Spielfelds fest. Der MCC gilt heute als die „Heimat des Cricket“ und ist auch heute noch Hüter der Regeln, die regelmässig überarbeitet und angepasst werden. Besonders tief verwurzelt ist Cricket in England. Viele Vereine sind traditionell an bestimmte Grafschaften gebunden, etwa Lancashire, Cheshire oder Surrey.
Die Regeln
Cricket ist ein traditionsreiches Mannschaftsspiel, bei dem zwei Teams mit jeweils elf Spielern gegeneinander antreten. Im Deutschen findet man neben der englischen Schreibweise auch häufig die Form „Kricket“. Die Sportart entstand in England und weist gewisse Ähnlichkeiten mit Baseball auf – allerdings blickt Cricket auf eine deutlich längere Geschichte zurück. Gespielt wird auf einer grossen, ovalen Rasenfläche. Im Zentrum befindet sich der sogenannte Pitch, ein rund 20 Meter langer, rechteckiger, hart gewalzter Rasenstreifen. Hier entscheidet sich das zentrale Duell des Spiels: der Bowler, also der Werfer, tritt gegen den Batter, den Schläger der gegnerischen Mannschaft, an. Beide stehen sich an den Enden des Pitches gegenüber. Der Bowler versucht, den Ball so zu werfen, dass er das Wicket hinter dem Batter trifft und umstösst. Der Batter wiederum versucht, dies zu verhindern, indem er den Ball mit seinem Schläger ins Feld schlägt.
Gelingt ihm ein guter Schlag, versuchen die Feldspieler, den Ball so schnell wie möglich zu sichern – also zu fangen oder aufzunehmen – und ihn so zu den Wickets zurückzubringen, um die Schlagleute auszuschalten oder weitere Runs zu verhindern. In dieser Zeit läuft der Batter zwischen den beiden Enden des Pitches hin und her. Jeder erfolgreiche Seitenwechsel zählt als Punkt, der im Cricket Run genannt wird. Wird jedoch das Wicket getroffen oder fängt ein Feldspieler den Ball direkt aus der Luft, scheidet der Batter aus und muss das Spielfeld verlassen.
Ein Match ist in mehrere Spielabschnitte unterteilt, die „Innings“ genannt werden. Pro „Inning“ übernimmt jede Mannschaft einmal die Rolle der angreifenden und einmal die der verteidigenden Mannschaft. Ein Abschnitt endet, wenn fast alle Schlagleute einer Mannschaft ausgeschieden sind oder eine vorher festgelegte Anzahl von Over (Serien von Würfen) gespielt wurde. Am Ende gewinnt das Team mit den meisten erzielten Runs. Haben beide Mannschaften gleich viele Runs, kann das Spiel als Unentschieden gewertet werden; im Cricket spricht man in bestimmten Fällen von einem „Tie“. In den traditionellen, mehrtägigen Formen des Cricket ist die Spieldauer nicht strikt festgelegt und kann sich über mehrere Tage erstrecken.
Typisch für Cricket ist die Schutzausrüstung der Schlagleute: Batter tragen in der Regel Helm, Beinschoner, Handschuhe und weiteren Schutz, um sich vor dem harten Ball zu schützen. Informell kann man Cricket fast überall spielen – im Park, im Garten, auf der Straße, am Strand oder auf einem Parkplatz.
Eine Sportart, die das ehemalige Empire verbindet
Besonders populär ist Cricket heute in England, Indien, Pakistan, Südafrika, Australien und weiteren Ländern des Commonwealth. Grosse Aufmerksamkeit erhält beispielsweise die traditionsreiche Turnierserie „The Ashes“, in der die Nationalmannschaften Englands und Australiens in der Regel im Zwei-Jahres-Rhythmus gegeneinander antreten. Sie gilt neben der Weltmeisterschaft als eines der bedeutendsten Ereignisse im internationalen Cricket.
Cricket in Deutschland
Auch bei uns müssen Cricket-Fans nicht auf ihren Lieblingssport verzichten. So gibt es deutschlandweit über 300 Cricketvereine – Tendenz steigend. Wussten Sie, dass Cricket in Deutschland bereits im 18. Jahrhundert gespielt worden sein soll? So soll es in Berlin eine florierende Cricket-Szene gegeben haben. Erst in den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts lebte die Cricket-Kultur in Deutschland wieder auf und führte 1988 zur Gründung des Deutschen Cricket Bunds (DCB). Vor allem Zuwanderer aus Afghanistan und Indien – Länder, in denen Cricket eine hohe Stellung einnimmt – haben zum Wiederaufleben der Cricket-Kultur mitgeholfen. So stammt Venkatraman Ganesan, der ehemalige Kapitän der deutschen Cricket-Nationalmannschaft, aus Indien.


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