Vogelgezwitscher und Blütenpracht kündigen den sehnlichst erwarteten Frühling an und schon steht Ostern wieder vor der Tür. Neben Weihnachten zählt auch das Osterfest zu den bedeutendsten Feierlichkeiten im britischen Jahreskalender. Dabei werden sowohl religiöse Traditionen als auch nichtchristliche Rituale gepflegt, denn selbstverständlich gibt es auch in England den Osterhasen, der neben hartgekochten und bunt bemalten Eiern auch Schokoladeneier versteckt. Wussten Sie, dass Ostereier ein Symbol für Wiedergeburt sind? Tatsächlich steht das Ei für Neubeginn und Leben, da unter der harten „toten“ Schale neues Leben in Form eines Kükens entstehen kann. Entgegen der allgemeinen Annahme, dass diese Idee ihren Ursprung im Christentum hat, wurden bereits in der Antike Straußeneier mit Gravuren versehen. Aber zurück zum Osterfest in England.
Maundy Thursday
Für viele Menschen beginnt das Osterfest mit dem Gründonnerstag, der ganz im Zeichen der Nächstenliebe steht. Hintergrund ist die Rede, die Jesus einst vor seinen Jüngern hielt, nachdem er ihnen die Füße gewaschen hatte. Im 13. Jahrhundert verteilte König Edward I. am Maundy Thursday Lebensmittel und Geld an Bedürftige und Henry IV. soll es schließlich gewesen sein, der den Brauch, die Anzahl der Beschenkten dem Alter des Herrschers anzupassen, etablierte. Seitdem wird von dieser Zeremonie des Beschenkens auch als Royal Maundy gesprochen. Die Tradition entwickelte sich weiter und heute erhalten Menschen, die sich in christlichem Sinne ausgezeichnet haben, eine weiße und eine rote Geldbörse erhalten. Die eine enthält britische Pfund, die andere Maundy Coins (Pence aus Silber) entsprechend der Anzahl der Lebensjahre des Königs. Die Coins werden seit der Zeit von Karl II. geprägt.
Good Friday
Haben Sie schon einmal etwas davon gehört, dass man mit Petersilie das Böse bekämpfen kann? Daran glauben zumindest die Briten. Ein alter Mythos besagt zudem, dass man die Petersilie am Karfreitag pflanzen sollte. Wie auch immer Sie es damit halten, schaden kann es sicher nicht, denn Petersilie ist bekanntlich sehr gesund. Ansonsten isst man am Karfreitag traditionell Hot Cross Buns. Dabei handelt es sich um eine Art Milchbrötchen mit Rosinen, das mit einem Kreuz verziert wird.
In London wird am Karfreitag ein Holzkreuz über die Victoria Street bis zur Westminster Abbey getragen, wo im Anschluss daran ein Gottesdienst stattfindet.
Easter Sunday
Am Ostersonntag kommt meist die Familie zum Essen zusammen. Es gibt Lammbraten mit Minzsauce oder Baked Ham, einen Backofenschinken, der mit Früchten gefüllt wird. Als Beilage zum Festtagsgericht liebt man geröstete Jersey Royal Potatoes. Am Nachmittag kommt Simnel Cake auf den Tisch, ein Obstkuchen, der mit elf Marzipankugeln verziert ist. Die Kugeln stehen für die Apostel, allerdings ohne den Verräter Judas.
Ostereier sucht man in England mit der Familie ebenfalls am Ostersonntag. Zudem finden über das gesamte Osterwochenende viele öffentliche „Easter Egg Hunts“, zum Beispiel in Parks oder auf historischen Landsitzen, statt.
Beliebte Traditionen
Am Karsamstag wird in Bacup in Lancashire getanzt, aber nicht irgendwie! Man verkleidet und schminkt sich und hängt sich Glöckchen an die Beine. Unter Gebimmel und Geläut wird dann der Nutters‘ Dance zelebriert. Seit 1857 ist das schon der Brauch. Böse Geister sollen mit dem Nutters‘ Dance vertrieben werden und das Weite suchen. Ob das funktioniert? Vielleicht haben Sie Lust, einmal mitzumachen und es auszuprobieren.
Aber es wird noch mehr getanzt auf der Insel, zum Beispiel um den Frühling zu feiern. In weißen Gewändern und mit bunten Gürteln begibt man sich dazu zum Morris Dance.
Auch Spiele sind zu Ostern in England sehr beliebt. In einigen Regionen des Landes lässt man hartgekochte Eier einen Hügel herunterrollen. Das schnellste Ei gewinnt. Der Spaß wird als „Egg Rolling“ bezeichnet.
In Nordost-England hingegen bevorzugt man „Egg Jarping“. Wir kennen diese Tradition vielerorts als Eier-Titschen. Zwei hartgekochte Eier werden aneinandergeschlagen. Das Ei, das durch diese derbe Behandlung Schaden nimmt, verliert. Das Ei, das ganz bleibt, gewinnt. „Egg Jarping“ ist so populär, dass es in Peterlee in der Grafschaft Durham sogar eine Weltmeisterschaft in dieser Disziplin gibt.
Ihre ganz eigene Ostertradition, bei der es durchaus auch mal etwas rauer zugeht, haben die Dörfer Hallaton und Medbourne mit dem Hallaton Bottle Kicking. Sie basiert auf einer alten Rivalität. Die Geschichte besagt, dass es einst ein rauschendes Fest gab, bei dem es wohl zu Neid und Missgunst kam. Nun kämpft man jedes Jahr traditionell um Bierfässer. Es gilt zu verhindern, dass diese in das „feindliche“ Dorf gelangen.
Ob Tanz, hartgekochte Eier oder Bierfässer – die Briten lieben das Osterfest und ihre Traditionen und Bräuche. Wie verbringen Sie die Ostertage? Vielleicht sogar in England?


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