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Pimlico – mehr als die Tate Britain!

Pimlico – mehr als die Tate Britain!

Wenn in London der Name „Pimlico“ fällt, denken Kunstinteressierte wohl zuerst an die Tube-Station, die man gerne für den Weg zur Tate Britain nutzt. Doch Pimlico ist nicht nur eine U-Bahn-Haltestelle, sondern auch ein besuchenswerter Stadtteil.

Dieser steht allerdings nur selten auf der touristischen Agenda einer London-Reise, was daran liegt, dass man hier nicht die eine oder gleich mehrere der Top-Attraktionen findet – abgesehen von der Tate Britain, die sich (genau genommen) nicht in Pimlico, sondern am östlichen Rand des Stadtteils befindet.

Tatsächlich gibt es gute Gründe, auch diesem Teil Londons Aufmerksamkeit zu schenken. Wer also etwas Zeit im Urlaubsgepäck mitbringt oder schon mehrfach in London war, gönnt sich einmal einen ausgedehnten Spaziergang durch diese weniger bekannte Ecke der Metropole. Beim Wandern durch „The Streets of Pimlico“ – ja, es gibt sogar einen Song dazu! – wird man mit neuen Eindrücken abseits von Touristenmassen belohnt.

Pimlico ist grün und blühend

Der Stadtteil Pimlico befindet sich zwischen Victoria Station (Norden), der Themse (Süden), Westminster (Osten) und Chelsea (Westen). Idyllisch ist so eine Walking Tour im Frühling, wenn die Natur zu neuem Leben erwacht. Blühende Magnolien und Kirschbäume zieren die Vorgärten der ehrwürdigen Häuserzeilen im Regency-Stil und in den Square Gardens leuchten gelbe Narzissen. Diese und andere Frühlingsblumen findet man auch in Form von bunten Sträußen am „Pimlico Road Farmer’s Market“, der jeden Samstagvormittag am Orange Square stattfindet. Zwar wird man als Londoner Hotelgast eher nicht beim reichhaltigen Angebot an Fleisch, Fisch oder Gemüse zugreifen, doch ein Bummel durch den traditionellen Bauernmarkt mit seinen regionalen Anbietern ist stets ein Fest für die Augen. Zumindest ein süßes Teilchen darf es dann doch sein oder vielleicht eine Brezel? Im unwahrscheinlichen Fall spontanen Heimwehs kann dieses Heimweh jedenfalls am Stand der beliebten German Sourdough Bakery kulinarisch bekämpft werden.

Noble Geschäfte und lebendige Märkte

Die angrenzende Pimlico Road fällt durch die Fülle der dort vertretenen Home-, Interior- & Design-Läden auf. Deren reiche Auswahl an ebenso dekorativen wie hochpreisigen Einrichtungsgegenständen und Kunstobjekten dürfte das Urlaubsbudget übersteigen, aber da sich Ohrensessel, Stehlampen und Ölgemälde ohnehin nicht fürs Handgepäck eignen, erfreut man sich eben am Betrachten der Schaufenster und kreativ gestalteten Showrooms.

Weniger nobel, aber sehr lebhaft präsentiert sich der Tachbrook Street Market. Hier durchzieht der Duft exotischen Street Foods die Marktstände. Wer gegen Mittag und schon etwas hungrig vorbeikommt, kann sich preiswert durch frisch gekochte Speisen verschiedenster Länder kosten. In der (Upper) Tachbrook Street oder der Churton Street erfreuen Charity- und Second-Hand-Läden all jene, die Spaß am Stöbern haben. Eine hübsche Vintage-Brosche oder ein typisch britischer Toast-Rack passt gewiss noch ins kleinste Reisegepäck.

Durch ruhige Wohnstraßen flaniert man schließlich gemütlich Richtung Themse.

Auf dem Weg zum St. George’s Square, den man nicht missen sollte, kommt man an der anglikanischen St. Savior’s Church vorbei. In der angrenzenden Church Hall befindet sich der Young England Kindergarten, in dem die junge Lady Diana Spencer vor ihrer royalen Heirat als Kindergarten-Assistentin arbeitete.

Erinnerungen an Schriftsteller und Spione

Der von Pimlicos stilprägendem Baumeister Thomas Cubitt im frühen 19. Jahrhundert elegant gestaltete St. George’s Square zählt mit seinem großen Square Garden und den ebenso stattlichen wie vornehmen weißen Townhouses zu den besten Adressen. Hier wohnte u.a. einst die Autorin Dorothy L. Sayers. Sie schrieb an einem Manuskript, das unter dem Titel „Whose Body?“ 1923 erschien und die Figur des charmanten Amateurdetektivs Lord Peter Wimsey in die Welt der Kriminalromane einführte. 

Die Autorin war nicht die einzige Berühmtheit, die in Pimlico lebte. Unzählige Parlamentsmitglieder, Lords, gesellschaftliche Größen, Damen und Herren von Welt (oder Halbwelt) und sogar Spione logierten im Komplex Dolphin Square, der Mitte der 1930er Jahre errichtet wurde und mit über 1200 Einheiten zu den größten Wohnbauprojekten seiner Zeit zählte. Eine bis heute bekannte Adresse und dies nicht nur wegen ihrer enormen Dimension und der guten Lage nahe der Themse, sondern auch aufgrund verschiedenster Skandale, die dort ihren Lauf nahmen. Stichwort Profumo-Affäre … 

Weiter nördlich am eleganten Eccleston Square (ebenfalls von Thomas Cubitt geplant) lebte in den frühen Jahren seiner politischen Karriere der spätere Premierminister Winston Churchill. Eine blaue Plakette am Gebäude erinnert an den großen, um nicht zu sagen größten, Staatsmann des United Kingdom.

Square Gardens, Stuck und Säulen

Pimlico Gardens ist ein kleiner Park direkt an der Themse. Ein Spaziergang entlang des Thames Path gewährt freie Ausblicke auf den Fluss, die Vauxhall Bridge sowie das markante gegenüberliegende Gebäude des Secret Intelligence Service MI6. James Bond lässt grüßen bzw. sein Schöpfer Ian Fleming, der in den 1930er-Jahren ebenfalls am Dolphin Square wohnte.

Mit einem kurzen Abstecher zu den Bessborough Gardens mit Springbrunnen und eleganten Reihenhäusern, deren Fassaden und Säulen in sanftem Cremeweiß leuchten, endet der samstägliche Spaziergang durch Pimlico. Von hier aus gelangt man schnell zur Pimlico Tube Station.

Man könnte die Wanderung durch Pimlico aber auch mit einem Besuch in der Tate Britain abrunden. Schließlich bietet diese nicht nur eine einzigartige Sammlung weltberühmter Kunstwerke, sondern hält auch Erfrischungen bereit – Tee & Kunst also, eine stets willkommene Kombination, die Geist und Körper belebt!

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