Wussten Sie, dass man in Grossbritannien auf einem Fluss surfen kann – und dafür nicht einmal ans Meer fahren muss? Auf dem River Severn in Südwestengland reiten Surfer auf dem Severn Bore, einer Gezeitenwelle, die bei starken Springtiden flussaufwärts läuft. Der Severn ist mit rund 354 Kilometern der längste Fluss Grossbritanniens. Er entspringt am Plynlimon in den walisischen Cambrian Mountains, durchquert Wales und England und fliesst über das Severn Estuary in den Bristolkanal.
Je nach Bedingungen kann die Wellenfront bis zu zwei Meter hoch werden und sich mit rund 16 bis 21 Kilometern pro Stunde flussaufwärts bewegen. Besonders ausgeprägt ist das Phänomen bei starken Springtiden. Neben Surfern zieht es auch Kajakfahrer, Stand-up-Paddler und Schaulustige an. Der Severn Bore bewegt sich über viele Kilometer flussaufwärts; die längste dokumentierte Surf-Fahrt soll 9,2 Meilen, also knapp 15 Kilometer, betragen haben. Eine beachtliche Strecke für ein Surf-Abenteuer mitten im Landesinneren.
Mad Jack und die Jagd nach der langen Fahrt
Das Surfen auf dem Severn lässt sich mindestens bis ins Jahr 1955 zurückverfolgen. Am 21. Juli 1955 soll Colonel John ‚Mad Jack‘ Churchill als erster dokumentierter Surfer den Severn Bore auf einem Surfbrett geritten sein. Seither zieht das Naturschauspiel Wellenreiter aus Grossbritannien und dem Ausland an.
Nichts für spontane Anfänger
So faszinierend das Schauspiel ist, der Fluss birgt Risiken. Kaltes Wasser, kräftige Strömungen, Treibholz und Hindernisse unter der Oberfläche können gefährlich werden. Wer sich auf den Severn wagt, braucht Erfahrung, sorgfältige Vorbereitung und Ortskenntnis.
Surf Snowdonia in Wales
2015 sorgte in Nordwales eine ungewöhnliche Idee für Aufsehen: Surf Snowdonia, eine künstliche Surflagune, erzeugte regelmässig künstliche Wellen mitten im Landesinneren – umgeben von den grünen Bergen Snowdonias. Surf Snowdonia, später Adventure Parc Snowdonia, schloss am 1. September 2023 wegen anhaltender technischer Probleme. Damit endete auch der Surfbetrieb in der künstlichen Lagune. Die Idee bleibt bemerkenswert: Zum Surfen brauchte es dort zeitweise nicht einmal das Meer.
Ob auf einer künstlich erzeugten Woge oder auf dem natürlichen Severn Bore: Surfen ist längst nicht nur eine Angelegenheit für sonnige Strände. Wer am Ufer des Severn das Wasser plötzlich flussaufwärts strömen sieht, weiss nun, was dahintersteckt.


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