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The Mousetrap – Seit 1952 schnappt die Mausefalle zu

The Mousetrap – Seit 1952 schnappt die Mausefalle zu

Begonnen hat alles am 25. November 1952 im Londoner Ambassador Theatre. Seit 1974 wird The Mousetrap (Die Mausefalle) von Agatha Christie jeden Abend im benachbarten und etwas größeren St. Martin’s Theatre aufgeführt. Der Übergang erfolgte nahtlos. Es heißt, im St. Martin’s Theatre werde nur das gespielt, was das Publikum wirklich sehen wolle, und das auch nur so lange, wie es gewünscht wird. Wir würden sagen, dieser Satz spricht für sich, denn Die Mausefalle ist das am längsten gespielte Theaterstück der Welt. Lediglich die Covid-Pandemie sorgte nach über 28.000 Aufführungen für eine Unterbrechung. Davor verhinderte weder der Umzug von einem Theater ins andere noch eine Erneuerung des Bühnenbildes die allabendliche Vorstellung. 

Worum geht es?

Tatsächlich sollte The Mousetrap ursprünglich ein Hörspiel für das Radio werden. Agatha Christie nannte es Three Blind Mice (Drei blinde Mäuse). Es handelte sich um ein Geburtstagsgeschenk für Queen Mary, die in einem Interview gefragt worden war, was sie sich zum Geburtstag wünsche. Sie soll geantwortet haben: „A Play by Agatha Christie!“ („Ein Stück von Agatha Christie!“) Im Jahr 1947 wurde es gesendet. Erst später entstand daraus ein Bühnenstück für acht Darstellerinnen und Darsteller, die regelmäßig ausgewechselt werden. Produzent war Peter Saunders. Zwischen ihm und Agatha Christie entwickelte sich im Verlauf eine tiefe Freundschaft. 

Setting des Theaterstücks The Mousetrap ist Monkswell Manor im Winter, ein altes Landhaus, das von Mollie Ralston geerbt wurde und in dem sie nun gemeinsam mit ihrem Ehemann Giles eine Pension eröffnen will. Zeitgleich geschieht in London ein Mord an einer Frau namens Maureen Lyon. Nachdem die ersten Gäste in Monkswell Manor eingetroffen sind, kündigt sich ein Polizist an. Schnell wird klar, dass sich der Mörder von Maureen in der Pension aufhalten muss. Ganz typisch für Agatha Christie, bei der wir es häufig mit einem „Looked-room mystery“ zu tun haben, ist, dass niemand mehr das Haus verlassen kann, denn es ist eingeschneit und selbst die Telefonleitungen sind tot. The Mousetrap ist eine klassische Whodunit-Story, die zum Mitraten einlädt. 

Es heißt, Winston Churchill habe den Täter bereits in der Pause des Theaterstücks erraten. Selbstverständlich wird das Publikum jeden Abend darum gebeten, den Ausgang der Geschichte für sich zu behalten. 

Großzügiges Taschengeld

Agatha Christie soll die Rechte des Stücks ihrem Enkel Mathew Prichard zum Geburtstag geschenkt haben. Die Angaben, zum wievielten Geburtstag genau, variieren leicht. Teilweise ist vom siebten Geburtstag die Rede, teilweise vom neunten. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass dieses Geschenk einen Jungen reich machte. Wie großzügig Agatha Christie war, ahnte sie zum Zeitpunkt des Geburtstags vermutlich selbst nicht. Als sie 1976 starb, hatte The Mousetrap bereits drei Millionen Pfund eingespielt. Sie sagte dazu einmal, dass der Erfolg des Theaterstücks zu 90% wohl einfach nur Glück gewesen sei und war der Meinung, durchaus Besseres geschrieben zu haben. 

Mathew Prichard gründete später aus den Erlösen eine Stiftung zur Förderung von Kunstprojekten. 

Was die Jahrzehnte überdauert hat

Das Stück hat so manchen Rekord aufgestellt oder gebrochen, zum Beispiel in Bezug auf die Schauspielerinnen und Schauspieler, die teilweise viele Jahre dem Ensemble angehörten und auf eine beachtliche Anzahl an Einsätzen kamen. Inzwischen werden sie regelmäßiger ausgetauscht als noch zu Beginn. 

Bei einer jahrzehntelangen Laufzeit bleibt es nicht aus, dass es zu Veränderungen kommen muss, denn kein Inventar hält der abendlichen Nutzung so lange stand. Daher wurden die Möbelstücke und Requisiten nach vielen Jahren ausgetauscht. Auch inhaltlich mussten Anpassungen vorgenommen werden. So wird beispielsweise eine Hotelrechnung erwähnt, deren Preis bis heute mehrfach korrigiert wurde. Ein ursprünglich vorhandener Hinweis auf Lebensmittelrationierung wurde komplett gestrichen. 

Aber ein Requisit ist geblieben. Es stand bei der ersten Aufführung auf der Bühne und kommt auch heute noch jeden Abend zum Einsatz: die Uhr auf dem Kaminsims! 

Sie hat die Jahrzehnte überdauert und ist Zeugin vieler Darstellerinnen und Darsteller sowie Berühmtheiten im Publikum. 

Seit über 73 Jahren läuft The Mousetrap. Wer hätte das gedacht? Agatha Christie selbst vermutlich am allerwenigsten. Aber es ist ja auch nicht irgendein Theaterstück, nicht eines von vielen, sondern DAS Theaterstück! Das am längsten gespielte auf der ganzen Welt. Vergessen Sie bei Ihrem Besuch nicht, ein Selfie mit dem Zähler der Aufführung zu machen. Und stärken Sie sich vorher. Einige Restaurants in der Umgebung bieten ein Pre-Theatre Menu an. 

Möge die Mausefalle noch viele Male zuschnappen. 

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