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Agatha-Christie-Meile in Torquay

Agatha-Christie-Meile in Torquay

Torquay im Südwesten Englands ist untrennbar mit einer der berühmtesten Schriftstellerinnen Großbritanniens verbunden: Agatha Christie. 

Hier wurde die Queen of Crime am 15. September 1890 geboren, hier wuchs sie auf, flanierte in jungen Jahren über den Pier oder lief Rollschuh, und hier lernte sie auch ihren späteren ersten Ehemann Archibald Christie kennen. 

Über ihre Leidenschaft des Rollschuhlaufens heißt es in ihrer Autobiografie: „Rollschuhlaufen auf dem Pier war ein Vergnügen, das damals hoch in Mode stand. Die Oberfläche des Piers war ziemlich rau, und man fiel oft hin, aber es machte großen Spaß.“

Das Elternhaus, in dem Agatha Christie aufwuchs, steht heute leider nicht mehr, aber eine Gedenktafel in der Barton Road markiert den einstigen Standort von Ashfield, einem großen viktorianischen Herrenhaus mit weitläufigem Garten. Agatha lebte hier bis zu ihrer Hochzeit. Im Jahr 1938 musste sie das Anwesen schweren Herzens verkaufen. In den 1960er-Jahren wurde es abgerissen, damit ein moderner Wohnblock gebaut werden konnte – ein schwerer Schlag für die berühmte Schriftstellerin, die bis zu ihrem Tod im Januar 1976 immer ein klein wenig in der Vergangenheit zu leben schien. 

Auf einer rund zweieinhalbstündigen geführten Tour können Sie alle Stellen in Torquay besuchen, die mit dieser faszinierenden Persönlichkeit in Zusammenhang stehen und davon gibt es hier so einige. Es ist aber auch möglich, die Gegend auf eigene Faust zu erkunden und den Plaketten der Agatha-Christie-Meile zu folgen. Sieben Gedenktafeln und einige weitere einschneidende Punkte befinden sich entlang einer gut fünf Kilometer langen Route, die anlässlich des 100. Geburtstags von Agatha Christie von deren Tochter Rosalind mit entwickelt wurde. Startpunkt ist das Tourist Information Centre am Hafen von Torquay. Kommen Sie mit? 

Erste Station - Besucherinformationszentrum

Im Tourist Information Centre finden wir die erste Plakette. Hier können wir uns auch einen Flyer zur Route mitnehmen. Als Agatha Christie in Torquay das Licht der Welt erblickte, führte von hier eine Straße in Richtung Hafen, auf der damals noch Pferdekutschen fuhren. Torquay war ein nicht nur belebtes, sondern auch überaus beliebtes Pflaster, insbesondere für Aristokraten. Das milde Klima zog vor allem im Winter illustre Gäste an, denen es im Sommer am Meer zu warm war. Agatha Christie verbrachte hier eine meist unbeschwerte Kindheit, an die sie sich ihr ganzes späteres Leben mit Wehmut zurückerinnerte. Ihrer Autobiografie ist an vielen Stellen zu entnehmen, dass sie ein ums andere Mal gerne die Zeit zurückgedreht hätte. 

Um zum nächsten Punkt zu gelangen, müssen wir rechts abbiegen und der Hafenpromenade bis zum Beacon Quay folgen. 

Zweite Station – Beacon Quay

Am Beacon Quay fand in Agatha Christies Kindheit die Regatta-Messe statt. Es gab Karussells und Kokosnusswerfen. Ein Paradies für Kinder und natürlich auch für die kleine Agatha, die hier mit Freuden ihr Taschengeld ausgab. Doch so sehr sie dieses Event auch liebte, ihre weitaus größere Leidenschaft galt dem Schwimmen. Zu Beginn war dies in der Damenbadebucht Beacon Cove möglich, der dritten Station unserer kleinen Route. Um dorthin zu gelangen, folgen wir der Beacon Hill Terrace, passieren das Regina Hotel und überqueren einen Parkplatz, von dem ein Pfad runter zur Bucht führt. 

Dritte Station – Beacon Cove

Beacon Cove war zur damaligen Zeit ein beliebter Badeplatz, von dem aus die junge Agatha gerne zu einer Plattform schwamm. Das Baden war hier ausschließlich Frauen vorbehalten. Erst später kamen Torre Abbey Sands und Corbin’s Head als erste Strände, an denen das gemeinsame Baden von Männern und Frauen gestattet war, hinzu. Davor musste man sich in einer Art Umkleidekabine auf Rädern ins Wasser ziehen lassen, um aus der Sichtweite von Männern zu gelangen. Der Vater von Agatha Christie, der viel Zeit im Yachtclub verbrachte, soll berichtet haben, einige der Herren dort hätten ihre Ferngläser mit der Ausrede, seltene Meeresvögel beobachten zu wollen, gerne immer mal wieder in Richtung Strand gezückt. Um zu diesem Yachtclub und damit zur vierten Station zu gelangen, führt uns der Weg wieder zurück die Beacon Hill Terrace hinauf. 

Vierte Station – Royal Torbay Yacht Club

Bei der vierten Station geht es weniger um den Club selbst als vielmehr um Frederick Miller, Agathas Vater, der Mitglied des Clubs war und ihn beinahe täglich aufsuchte. Er stammte aus einer gut betuchten Familie, was ihm ein angenehmes Leben bescherte, ohne dass er dazu einer beruflichen Tätigkeit hätte nachgehen müssen. Wenn wir der Straße weiter folgen, kommen wir zum Imperial Hotel. 

Fünfte Station – Imperial Hotel

Das Imperial Hotel war einst das erste Fünf-Sterne-Hotel außerhalb Londons und lockte somit auch prominente Gäste wie den Prince of Wales im Jahr 1870 an. Ebenfalls im Gästebuch stehen beispielsweise Königin Victoria und die Beatles. Und auch Charles und Diana sollen hier einmal zu Mittag gegessen und sich über den schönen Ausblick gefreut haben. Heute hat das Hotel immerhin noch vier Sterne, dasselbe viktorianische Flair wie früher und man kann nach wie vor einen Afternoon Tea genießen. Agatha Christie ging zum Tanzen ins Imperial und auch mit ihrem späteren Mann Archibald soll sie hier das Tanzbein geschwungen haben, den sie im Jahr 1912 kennenlernte. Das Hotel machte so viel Eindruck auf Agatha Christie, dass sie es in einigen Geschichten verewigte. In dem Krimi „Das Haus an der Düne“ mit Hercule Poirot aus dem Jahr 1932 heißt es allerdings The Majestic und ist in St. Loo verortet. Captain Hastings beschreibt das Hotel in dem Buch wie folgt: „Wir befanden uns auf einer der Terrassen des größten Hotels in St. Loo, dem Majestic. Es machte seinem Namen alle Ehre, wie es da in einer großzügigen Anlage mit Meeresblick majestätisch thronte. Zu unseren Füßen erstreckte sich der Garten, in dem sich sogar einige Palmen wiegten. Das Meer glitzerte tiefblau, der Himmel war wolkenlos und die Sonne brannte mit der geballten Kraft der echten Augustsonne.“ In „Die Tote in der Bibliothek“ aus dem Jahr 1942 tritt das Imperial ebenfalls unter dem Namen The Majestic auf, während es in „Ruhe unsanft“ dann tatsächlich als Imperial Hotel eine zentrale Rolle spielen darf. Beide Krimis sind Miss-Marple-Geschichten. In Letzterem erklärt Miss Marple auf der Terrasse des Hotels, wie sie auf die Lösung des Falls gekommen ist. Weiter geht es zum Torquay Museum.

Sechste Station – Agatha Christie Galerie im Torquay Museum 

Wir stehen jetzt vor der beeindruckenden Fassade des Torquay Museums. Es handelt sich um das älteste Museum von ganz Devon. Doch was hat das Gebäude mit Agatha Christie zu tun? Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass sie es in ihrer Jugend hin und wieder besuchte, aber heute ist es vor allem deshalb für uns interessant, weil es die einzige Agatha-Christie-Galerie Großbritanniens beherbergt. Sogar die Nachbildung des Arbeitszimmers und des Wohnzimmers von Hercule Poirot kann man hier besichtigen. Darüber hinaus gibt es einige Fotos zu sehen, die nirgendwo sonst veröffentlicht wurden. Doch das ist noch nicht alles! Neben Originalmanuskripten und Werkausgaben finden wir auch Agathas Ehrendoktorhut der Universität Exeter sowie Kostüme von David Suchet als Hercule Poirot und Joan Hickson als Miss Marple. Insgesamt umfasst die Ausstellung 700 Exponate. Wenn wir jetzt rechts abbiegen und den Hügel runter gehen, kommen wir zur Strandpromenade The Strand. 

Siebte Station – The Strand

Hier hat die Künstlerin Elisabeth Hadley der Queen of Crime ein Denkmal gesetzt. Agatha sitzt neben ihrem Hund auf einer Bank. Doch wir verweilen nicht, sondern gehen weiter zur achten Station, der Agatha Christie Gedenkbüste.

Achte Station - Gedenkbüste

Die Gedenkbüste wurde von der niederländischen Künstlerin Carol Van den Boom-Cairns anlässlich des 100. Geburtstags von Agatha Christie angefertigt und von Agathas Tochter Rosalind feierlich enthüllt. 

Neunte Station – The Pavillon

Am Pavilion Theatre finden wir eine weitere Gedenktafel. Agatha besuchte hier viele Aufführungen unter anderem ein Konzert mit Musik von Wagner am 04. Januar 1913 gemeinsam mit Archie. 

Zehnte Station – Princess Gardens

Die Princess Gardens, die im Jahr 1894 eröffnet wurden, spielen in „Die Morde des Herrn ABC“, einem Krimi mit Hercule Poirot, eine Rolle. Ein Serienmörder plant seine Morde alphabetisch. Dabei bezieht er sich sowohl auf den Nachnamen als auch auf den Ort (Mrs Ascher in Andover, Betty Barnard in Bexhill, Sir Carmichael Clark in Churston). Als es um den Buchstaben D geht, fühlt Hercule Poirot sich gezwungen, nach Doncaster zu reisen. Kommen wir nun zu dem eingangs erwähnten Princess Pier. 

Elfte Station – Princess Pier

Hier lief Agatha mit großer Begeisterung Rollschuh. Das kostete auf dem Pier damals Geld, aber wenn man seine eigenen Rollschuhe mitbrachte, war es günstiger. 

Zwölfte Station – Torre Abbey

Das ehemalige Kloster Torre Abbey war ab den 1740er Jahren ein Herrenhaus und befand sich im Besitz der Familie Cary. Agatha Christie war häufig zu Gast bei den Carys. Während des Ersten Weltkriegs kamen viele belgische Flüchtlinge nach England, einige auch nach Torquay. Es heißt, Agatha sei, während sie die belgischen Gäste auf Torre Abbey mit ihrem Klavierspiel unterhalten habe, auf ihre Idee der Figur des Hercule Poirot gekommen. 

Dreizehnte Station – Bahnhof in Torquay

Kommen wir nun zum Bahnhof. Hier kann es uns passieren, dass wir von einer verkleideten Miss Marple und einem verkleideten Hercule Poirot begrüßt werden. Dann haben wir es mit Tourguides zu tun. Tatsächlich trafen aber genau hier im Jahr 1990 anlässlich der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der Queen of Crime David Suchet als Hercule Poirot und Joan Hickson als Miss Marple aufeinander, obwohl sie sich in den Büchern nie begegneten. Unter frenetischem Applaus der Zuschauenden gab Poirot Miss Marple einen Handkuss. 

Vierzehnte Station – Bahnhof Paignton

Wir machen einen kurzen Abstecher zum Bahnhof Paignton, von dem aus man die Möglichkeit hat, zu Agathas Feriendomizil Greenway zu gelangen. Allerdings ist dazu noch eine zusätzliche Fahrt mit der Fähre erforderlich. 

Fünfzehnte Station – Grand Hotel

Die letzte Station unserer Route führt uns zur Gedenktafel am Grand Hotel. Hier verbrachten Agatha und Archie ihre Flitterwochen. Sie dauerten genau eine Nacht. Es war Heiligabend im Jahr 1914. Aufgrund des Krieges war nach einer recht langen Verlobungszeit, in der noch das Geld für einen eigenen Hausstand gefehlt hatte, plötzlich alles ganz schnell gegangen, weil Archie sich den großen Gefahren an der Front gegenübersah. Recht abgeklärt schreibt Agatha Christie dazu: „Wir nahmen den Zug – er war sehr voll – und kamen schließlich um Mitternacht in Torquay an, nachdem es uns gelungen war, telefonisch ein Zimmer zu reservieren. Ich fühle mich immer noch etwas schuldig.“ Zwei Tage später musste Archibald Christie zurück nach Frankreich und das Paar traf sich erst ein halbes Jahr später wieder. Wenn Sie etwas tiefer in die Tasche greifen möchten, können Sie die Suite mit Meerblick des einstigen Brautpaares buchen, die heute Agatha-Christie-Suite heißt.

Nun sind wir am Ende unserer kleinen Route angelangt. Bleiben Sie doch noch etwas in Torquay und lassen Sie die Eindrücke auf sich wirken. Vielleicht kommen Sie auch im September wieder, wenn in Torre Abbey das jährliche internationale Agatha-Christie-Festival stattfindet, oder Sie besuchen Greenway, das bezaubernde Feriendomizil der großartigen Schriftstellerin. Es liegt nur einen Katzensprung von Torquay entfernt. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen. 

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