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Roald Dahl: Vom Spion zum Kinderbuchautor

Roald Dahl: Vom Spion zum Kinderbuchautor

Pilot, Spion, Weltenbummler – und dann einer der berühmtesten Kinderbuchautoren der Welt. Heute wäre Roald Dahl 110 Jahre alt geworden, und sein Geburtstag wird jedes Jahr als Roald-Dahl-Tag gefeiert. Sein Name ist längst untrennbar mit Kinderbüchern voller Fantasie, schwarzem Humor und ziemlich skurrilen Figuren verbunden. Er erfand Wörter, lieferte das Drehbuch für einen James-Bond-Film und liess sich von seiner eigenen Umgebung inspirieren – Werke wie „Charlie und die Schokoladenfabrik", „Matilda" und „Der fantastische Mr. Fox" wurden verfilmt und für die Bühne adaptiert. Doch bevor all das geschah, war Dahls eigenes Leben fast so abenteuerlich wie seine Geschichten.

Vom Piloten zum Spion

Dahl wurde 1916 in Wales geboren und arbeitete zunächst für den Ölkonzern Shell in Ostafrika. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er Pilot bei der Royal Air Force. Nach einem Flugzeugabsturz und einer längeren Genesungszeit kam er schliesslich in die Welt der Geheimdienste. Der kanadische Geheimdienstchef William Stephenson, der im Auftrag der Briten arbeitete, holte Dahl in seine Organisation. Dahl wurde als Geheimagent eingesetzt und sammelte Informationen für die britische Seite. Dabei begegnete er auch dem Schriftsteller Ian Fleming – dem späteren Erfinder von James Bond. Die Verbindung sollte Folgen haben: Dahl schrieb später das Drehbuch für den James-Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ und arbeitete ausserdem an der Verfilmung von Ian Flemings Kinderbuch „Chitty Chitty Bang Bang“. Der Weg vom Geheimagenten zum Kinderbuchautor war ungewöhnlich – aber vielleicht war genau das die beste Voraussetzung für Geschichten, die niemand sonst hätte erfinden können.

Ein Meister der erfundenen Wörter

Dahl hatte eine besondere Begabung: Er liebte die Sprache. In seinen Geschichten tauchen Hunderte erfundene Wörter und Namen auf. Die Oompa-Loompas, ein fiktives Volk aus „Charlie und die Schokoladenfabrik", kennt wohl fast jedes Kind. Andere Wortschöpfungen wie „Snozzcumbers" (Fantasie-Gemüse) oder „Frobscottle" (Fantasie-Getränk) stammen aus „BFG – Sophie und der Riese". Dahl bezeichnete seine ganz eigene Sprachwelt als „Gobblefunk". Er spielte mit Klängen, verdrehte Wörter und erfand neue Begriffe, die trotzdem irgendwie verständlich wirken. Die Oxford University Press würdigte diese sprachliche Kreativität sogar mit einem eigenen Roald-Dahl-Wörterbuch, das Tausende Wörter aus seinem Werk versammelt. Diese Liebe zur Sprache zeigte sich übrigens auch bei den Titeln seiner Bücher: „James and the Giant Peach" sollte ursprünglich „James and the Giant Cherry" heissen – doch Dahl entschied sich für den Pfirsich, weil er ihn für schöner, grösser und weicher hielt.

Von Gremlins zur Schokoladenfabrik

Sein erstes veröffentlichtes Kinderbuch war „The Gremlins" aus dem Jahr 1943. Die Geschichte entstand aus Dahls Erfahrungen als Pilot: Kleine, freche Wesen treiben darin ihr Unwesen und sind für technische Pannen an Flugzeugen verantwortlich. Dahl griff damit einen unter Piloten verbreiteten Mythos auf und machte ihn einem breiten Publikum zugänglich. Jahrzehnte später griff Hollywood die Idee wieder auf: 1984 kam der erfolgreiche Kinofilm „Gremlins" in die Kinos – produziert von Steven Spielberg, Regie führte Joe Dante.

Viele seiner Geschichten begannen mit Beobachtungen aus seinem eigenen Leben: Die Idee zu „Charlie und die Schokoladenfabrik“ etwa hatte auch mit Dahls Schulzeit zu tun. Der Schokoladenhersteller Cadbury liess seine Produkte von Schulkindern testen. Dahl träumte davon, selbst einmal einen neuen Schokoriegel zu erfinden und dafür von Cadbury gelobt zu werden. 

Auch in „Der fantastische Mr. Fox“ steckt ein Stück seiner Umgebung: Ein grosser Baum in der Nähe seines Hauses in Great Missenden inspirierte ihn zum Fuchsbau. Und eine Figur aus „The Big Friendly Giant“ erhielt den Namen seiner ersten Enkelin: Sophie oder auch Sophiechen genannt.

Das Gartenhäuschen als Schaltzentrale

Die wohl charmanteste Schreibstube der britischen Literaturgeschichte befand sich nicht in einem eleganten Londoner Büro, sondern in einem kleinen Gartenhäuschen. In diesem sogenannten „Writing Hut" schrieb Dahl viele seiner berühmtesten Geschichten – täglich mehrere Stunden, auf einem eigens angefertigten Schreibbrett, das auf seinen Knien lag. Sein bevorzugtes Schreibmaterial: ein Bleistift und gelbes Papier.

Selbst bei den Titeln liess Dahl seiner Fantasie freien Lauf. „James and the Giant Peach“ sollte ursprünglich „James and the Giant Cherry“ heissen. Doch Dahl entschied sich für den Pfirsich – unter anderem, weil er ihn für schöner, grösser und weicher hielt.

Schwarzer Humor für Erwachsene

Wer glaubt, Dahl habe nur Kinder unterhalten, kennt seine andere Seite noch nicht. Seine Kurzgeschichten für Erwachsene sind berühmt für schwarzen Humor, überraschende Wendungen und manchmal ziemlich makabre Pointen. Besonders bekannt wurde die Fernsehserie „Tales of the Unexpected“, die ab 1979 zahlreiche Geschichten Dahls verfilmte. Dahl selbst führte in einigen Episoden als Gastgeber durch die Handlung.

 Zu den bekanntesten Geschichten gehört „Lamb to the Slaughter“: Eine Frau erschlägt ihren Ehemann mit einer gefrorenen Lammkeule – und serviert die Tatwaffe später den ermittelnden Polizisten zum Abendessen.

Auch „The Landlady“ zeigt Dahls besondere Mischung aus scheinbarer Harmlosigkeit und schwarzem Humor. Ein junger Reisender mietet sich bei einer freundlich wirkenden älteren Dame ein. Schon bald stellt sich heraus, dass mit der Vermieterin etwas ganz und gar nicht stimmt.

Ein Jahr voller Fantasie

Der 110. Geburtstag Dahls wird 2026 vielerorts zum Anlass für Veranstaltungen, Schulprojekte, Lesungen und Theateraufführungen genommen. Seine Bücher leben dabei längst über die Seiten hinaus: Kinder verkleiden sich als Matilda oder Willy Wonka, Bühnen bringen seine Geschichten zum Leben und Bibliotheken laden zum Eintauchen in seine Bücherwelt ein. Vielleicht liegt genau darin Dahls bleibende Faszination: Er nahm Kinder ernst und traute ihnen zu, dass sie auch das Absurde, das Unheimliche und das wunderbar Verrückte lieben. 

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