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David Suchet – Der bekannteste Poirot-Darsteller

David Suchet – Der bekannteste Poirot-Darsteller

Fast 25 Jahre lang verkörperte er Agatha Christies bekannteste Figur Hercule Poirot. Er gilt unter Fans und Kritikern gleichermaßen als der beste und originalgetreuste Darsteller des kleinen belgischen Detektivs mit dem markanten Schnauzbart und dem unverwechselbaren Akzent, den es für David Suchet zunächst zu erlernen galt. Und obwohl die Serie mit Poirots Tod endete, wird ein Teil von Suchet für immer der perfektionistische, exzentrische Hercule mit den brillant funktionierenden kleinen grauen Zellen bleiben - nicht nur für die Fans der Bücher und der Serie, sondern vermutlich auch für ihn selbst. 

In seiner Bühnenshow „Poirot and more“, mit der er vor einigen Jahren durch Großbritannien tourte, zeigte David Suchet auf informative und witzige Art und Weise, wie er sich in die Figur Poirot verwandelte, indem er neben vielen anderen kleinen Teilaspekten ihren Gang annahm, eine für ihn sinnvolle Stimmlage kreierte und sich selbstverständlich auch den erforderlichen Akzent aneignete.

Es heißt, Suchet sei der einzige Poirot-Darsteller gewesen – und es gab zuvor einige andere –, den Agatha Christies Familie ausnahmslos gutgeheißen habe und bei dem Rosalind, die Tochter der Schriftstellerin, davon überzeugt gewesen sei, dass ihre in Bezug auf Verfilmungen überaus kritische Mutter ihn gemocht hätte. Tatsächlich schlug die Familie den Schauspieler aktiv vor und Rosalind, die maßgeblich daran beteiligt war, dass er die Rolle dann auch bekam, lud ihn nach Greenway, dem Sommerhaus ihrer Mutter, zum Essen ein. Dort sagte sie ihm, sie wolle, dass das Publikum mit Poirot lachen könne, aber niemals über ihn. Poirot dürfe auf keinen Fall ausgelacht werden. Und das sei genau der Grund, warum sie ihn, David Suchet, für die Rolle haben wolle. „Agatha Christie‘s Poirot“ lief von 1989 bis 2013 und beinhaltete 13 Staffeln mit insgesamt 70 Episoden. Über 700 Millionen Zuschauende in 100 Ländern sahen zu. 

Wer ist David Suchet?

Geboren wurde er am 02. Mai 1946 in London. Sein Vater war Gynäkologe, seine Mutter Bühnenschauspielerin. Tatsächlich trat er in gewisser Weise in die Fußabdrücke beider Elternteile, denn er studierte zunächst Medizin, fiel jedoch beim Physikum durch und brach das Studium daraufhin ab. Ein Glück, wie man heute sagen muss, denn danach konzentrierte er sich auf seine Bühnenkarriere und studierte Schauspiel an der London Academy of Music and Dramatic Art. Seit 1976 ist er mit der Schauspielerin Sheila Ferris verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder. Suchet spielte auf großen Theaterbühnen, in Serien und Kinofilmen, ist Hörbuchsprecher und Mitglied der Royal Shakespeare Company. 

Perfekte Optik

Nicht nur das schauspielerische Talent, das zweifellos einer der Hauptaspekte war, gab den Ausschlag dafür, dass Suchet die Rolle bekam. Es war auch seine Optik. In „Das geheimnisvolle Verbrechen in Styles“ heißt es über Poirot: „Er war kaum größer als 1,63 Meter, aber er trug sich mit großer Würde. Sein Kopf hatte genau die Form eines Eis, und er hielt ihn immer etwas schief.“ Suchet verkörperte den kleinen Belgier nahezu perfekt. 

Wie wird man zu einer derart charakterstarken Figur?

In der Dokumentation „David Suchet – Ich war Poirot“ beschreibt der Schauspieler, dass Poirot für ihn nie einfach nur eine Figur aus einem Buch war, sondern vielmehr ein lebendiger Mensch, der ihn 25 Jahre seines eigenen Lebens prägte. „Ich habe ihn kennengelernt, ich habe ihn gelebt. Er ist mein unsichtbarer engster, bester Freund“, sagt Suchet über diesen einschneidenden Part seines Lebens und man spürt die Emotion, die seinen Worten mitschwingt. Als ihm die Rolle angeboten wurde, bereitete er sich fast schon obsessiv darauf vor, las alles, was er über Poirot finden konnte und machte sich Notizen zu sämtlichen Charaktereigenschaften des Detektivs. Er sagt dazu selbst, seine Liste habe zuletzt 93 Punkte umfasst, beispielsweise den Aspekt, wann Poirot wie viele Stücke Zucker in den Tee oder Kaffee gibt. Er verrät in der Dokumentation auch den ersten Punkt dieser Liste, der ganz klar lautete: Belgier, nicht Franzose!

Der eigentliche Schlüssel beim Anlegen der Rolle lag für Suchet jedoch in der Stimme. Bei der Analyse von Hercule Poirot sei ihm klar geworden, dass die Figur keine Verbindung zu ihren eigenen Emotionen, dafür aber umso mehr zu ihrem Kopf habe. Also habe er ihr eine Kopfstimme gegeben, diese dazu zunächst nach oben in den Mund geschoben und dann bis hoch in den Kopf gepresst, um sie final mit dem so typischen Akzent zu versehen. 

Während der Dreharbeiten begann David Suchet nach eigener Aussage bereits während der Fahrt zum Studio mit der „Verwandlung“, indem er seine Texte übte und sie dem Fahrer vortrug. Vollends wurde er dann spätestens mit Ankleben des Schnurrbarts zum Poirot. Ab dem Zeitpunkt sprach er auch mit der Maskenbildnerin nur mit dem Poirot-Akzent. Zu sagen, er habe die Rolle ernst genommen, würde dem Aufwand, den Suchet betrieb, kaum gerecht werden. Für die letzte Folge, in der Poirot stirbt, nahm der Schauspieler extra 12 Kilogramm ab, um möglichst krank und gebrechlich auszusehen. Den letzten Drehtag beschreibt er als einen der schwersten Tage seines Lebens. Seine Frau war mit dabei und sagte später, dass es einer persönlichen Tragödie nahekomme, wenn die Figur, mit der man derart verwachsen sei, stirbt. Die Dokumentation zeigt die Betroffenheit und Trauer der ganzen Filmcrew. 

Und vielleicht war und ist genau das das Geheimnis, wieso gerade David Suchet den belgischen Detektiv derart brillant verkörpern konnte und damit alle anderen bisher da gewesenen Poirot-Darsteller in den Schatten stellt – weil er so intensiv in der Rolle aufging, dass seine Identität mit der Poirots verschmolz. Als Poirot starb, berichtete The Times darüber. In Belgien wartet sogar die Gemeinde Ellezelles mit einer Geburtsurkunde auf. Poirot ist keine Rolle, keine Romanfigur, er ist für die Menschen real! Und David Suchet hat einen ganz entscheidenden Anteil an diesem Phänomen. Noch immer wird der Schauspieler auf der ganzen Welt erkannt und als Hercule Poirot angesprochen. 

David Suchet – er spielte viele Rollen, weil er ein begnadeter Schauspieler ist. Doch keine war ihm je so auf den Leib geschrieben wie die des Hercule Poirot. Er wurde zu Poirot, bis keine Grenze mehr sichtbar war. Was für ein Geschenk für die Fernseh- und Serienwelt!

Und was sagt der Schauspieler selbst über seine Rolle? In einem Interview zeigt er sich zutiefst bewegt und erzählt, wie viele Türen gerade auch zu Theaterbühnen ihm Hercule Poirot geöffnet habe. Er blicke mit viel Liebe und Dankbarkeit auf die Zeit.

Lieber David Suchet, nicht nur Sie sind dankbar für die Rolle, wir als Zuschauende sind es auch! 

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