Gestern noch mit Gummistiefeln im Schlamm, heute zwischen Kollegen und Kaffeemaschine. Wer jetzt denkt, das geht nicht zusammen, hat noch nie eine vernünftige Wachsjacke besessen.
Der Cottagecore-Trend – bekannt gemacht von Autorinnen wie Callie Cole, Amanda Owen und Kate Humble, auf Instagram zelebriert von Leah Lane und anderen – hat ein kleines Problem: Er sieht auf Fotos wunderbar aus, aber beim Anblick des eigenen Kleiderschranks fragt man sich, wo genau man anfangen soll. Die Antwort ist einfacher, als man denkt. Und billiger, als der Rest der Modewelt einem weismachen möchte.
Stoffe, die nicht nach drei Wäschen aufgeben
Der entscheidende Unterschied zum Rest des Modemarkts ist unangenehm simpel: Cottagecore-Kleidung ist nicht für den Moment gedacht, sondern für den Alltag. Gewachste Baumwolle, Wolle, Leinen. Gelegentlich Samt, wenn man sich besonders gut fühlt oder einen großen Auftritt plant.
Eine Barbour-Wachsjacke ist hier das naheliegendste Beispiel – und vermutlich das ehrlichste Kleidungsstück, das die britische Insel je hervorgebracht hat. Sie schützt vor Wind, vor Regen und vor dem etwas hilflosen Blick der Kollegin, die ihren dritten dünnen Trenchcoat der Saison trägt. Sie passt über Strick, über ein Kleid, über so ziemlich alles. Sie wirkt weder sportlich noch formell, sondern schlicht: richtig.
Ähnliches gilt für Aran-Strick aus Irland. Grob, strukturiert und ursprünglich für Fischer gedacht, die echte Probleme hatten. Heute ein verlässlicher Begleiter zwischen Feldweg und Innenstadt. Und deutlich gesprächswürdiger als das, was die meisten Büroflure sonst so bieten. Dazu schottische Tweeds in Grün, Braun, gedämpftem Rot. Kleidung, die nicht für einen Anlass gekauft wird, sondern für den Alltag.
Muster: Ja. Chaos: Nein.
Blumen gehören zum Cottagecore wie Regen zu diesem Landstrich – unvermeidlich und eigentlich ganz schön, wenn man ehrlich ist. Dazu Karos, klassische Webstrukturen und alles, was halbwegs nach Substanz aussieht. Eine geblümte Bluse unter einem schlichten Blazer (für Mutige gerne auch aus Kord, Samt oder Tweed) funktioniert immer. Es geht ums Schichten, nicht ums Angeben. Schottenmuster und Blumenbluse zusammen sind dann allerdings doch etwas viel des Guten – irgendwo muss die Vernunft ja wohnen.
Wollröcke funktionieren. Cordhosen auch. Schlichte Jeans sowieso. Und Wellies – unbedingt, auch außerhalb des Gartens, sofern man sie mit der nötigen Haltung trägt.
Das Beste kostet nicht viel
Der Cottagecore-Look lebt nicht von neuen Kollektionen, sondern von dem, was bereits existiert. Charity Shops, Vintage-Läden, Dinge, die geerbt wurden. Ein alter Wollmantel, eine Strickjacke aus den Hebriden oder aus Donegal, eine Ledertasche, die schon Jahrzehnte hinter sich hat und trotzdem besser aussieht als manche Designertasche aus Italien.
Das ist keine Romantisierung von Sparsamkeit, das ist schlicht Vernunft. Gerade in einer Zeit, in der sowohl das Tempo als auch die Kosten des Alltags wenig Spielraum lassen. Kleidung, die hält. Kleidung, die nach der ersten Saison nicht wie nach der zehnten aussieht, sodass man wieder neue kaufen muss.
Wer den Cottagecore-Gedanken in den eigenen Alltag übertragen will, muss weder ins Landhaus ziehen noch plötzlich Hühner halten. Es reicht, einzelne Elemente zu übernehmen. Versuchen Sie’s mal mit der Blümchenbluse und den Wellieboots. Das Pony im Hof und das Huhn auf der Stange können auch noch warten.
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