Im Jahr 2026 ist in London einiges los in Sachen Kunst – von zeitgenössischen Ikonen über einen malenden Winston Churchill und bis hin zu viktorianischem Design. Hier ist eine chronologische Auswahl der sehenswertesten Ausstellungen.
Lucian Freud: Drawing into Painting, National Portrait Gallery | 12. Februar – 4. Mai
Lucian Freud (1922-2011) war einer der bedeutendsten Porträtmaler des 20. Jahrhunderts. Diese Ausstellung umfasst Werke aus den 1930er-Jahren bis ins frühe 21. Jahrhundert und erkundet die lebenslange Beschäftigung des Künstlers mit dem menschlichen Gesicht und der Figur. Zu sehen sind Zeichnungen in Bleistift, Tusche, Kohle und Radierungen. Auch Skizzenbücher aus dem Archiv der National Portrait Gallery sind erstmals zu bestaunen.
https://www.npg.org.uk/whatson/exhibitions/2026/lucian-freud-drawing-into-painting
Inside Aardman: Wallace & Gromit and Friends, Young V&A | ab 12. Februar
Das Animationsstudio Aardman feiert im Jahr 2026 sein 50-jähriges Jubiläum. Diese Ausstellung nimmt das zum Anlass und entführt in die fantastischen Welten von Wallace & Gromit, Chicken Run, Shaun das Schaf, Morph und vielen anderen liebgewonnenen Charakteren. Es lassen sich über 150 Objekte bewundern, darunter noch nie zuvor gesehene Modelle, Sets und Storyboards aus den Archiven des Studios. Und es geht interaktiv zu: Besucherinnen und Besucher können einen Blick hinter die Kulissen des Animationsprozesses werfen – von der Ideenentwicklung und dem Storyboarding über die Modellherstellung und das Filmen bis hin zur Postproduktion.
https://www.vam.ac.uk/exhibitions/inside-aardman-wallace-gromit-and-friends
Tracey Emin: A Second Life, Tate Modern | 27. Februar – 31. August
Dame Tracey Emin ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der Young British Artists der 1990er Jahre. Sie ist bekannt für ihre kompromisslos persönliche Kunst, die intime Erfahrungen von Liebe, Verlust, Trauma und Heilung thematisiert. Die Tate Modern widmet ihr die bislang größte Ausstellung ihrer Karriere. Über 90 Werke aus vier Jahrzehnten künstlerischen Schaffens spannen den Bogen von ihrer Turner-Prize-nominierten Installation „My Bed“ aus dem Jahr 1998 bis zu brandneuen Bronzeskulpturen. Der Titel „A Second Life“ verweist auf Emins Neuanfang nach dem Verlust ihrer Mutter 2016 und ihrer eigenen Krebserkrankung 2020. Diese neueren Arbeiten wirken verletzlich und zutiefst berührend. Zu sehen sind Malerei, Video, Textilien, Neon-Arbeiten, Skulpturen und Installationen.
https://www.tate.org.uk/whats-on/tate-modern/tracey-emin
Queen Elizabeth II: Her Life in Style, The King's Gallery, Buckingham Palace | 10. April – 18. Oktober
Zum 100. Geburtstag der 2022 verstorbenen Queen Elizabeth II präsentiert der Buckingham Palace einen spannenden Einblick in ihre Mode. Etwa 200 Stücke wie Hüte, Schuhe und Accessoires sowie nie zuvor gesehene Design-Skizzen, Stoffmuster und handschriftliche Korrespondenz erzählen die Geschichte der am längsten regierenden britischen Monarchin anhand ihrer Garderobe. Zu den Highlights gehören ihr Brautjungfern-Kleid, ihr legendäres Hochzeitskleid und das prächtige Krönungskleid von 1953.
James McNeill Whistler, Tate Britain | 21. Mai – 27. September
Der amerikanisch-britische Maler, der den Großteil seines Lebens in London verbrachte, prägte die Kunstszene des späten 19. Jahrhunderts wie kaum ein anderer. Die Ausstellung vereint sein weltberühmtes „Arrangement in Grey and Black No. 1“ – besser bekannt als „Whistlers Mutter“ – aus dem Musée d'Orsay mit selten oder nie gezeigten Werken aus allen Schaffensphasen. Whistlers Porträts, atmosphärische Themse-Landschaften, Zeichnungen und Drucke demonstrieren seine Meisterschaft im Umgang mit Licht, Stimmung und subtiler Farbharmonie. Seine Nocturnes – nächtliche Flusslandschaften in gedämpften Blau- und Grautönen – sind von geradezu hypnotischer Schönheit.
https://www.tate.org.uk/whats-on/tate-britain/whistler
Winston Churchill: The Painter, The Wallace Collection | 23. Mai – 29. November
Bei Winston Churchill denkt man gemeinhin an einen bedeutenden Staatsmann. Weniger bekannt ist, dass er auch leidenschaftlicher Hobbymaler war: Diese Retrospektive ist die erste Ausstellung von Winston Churchills kreativem Werk im Vereinigten Königreich seit seinem Tod 1965. Besucherinnen und Besucher können etwa 50 Werke entdecken, von denen viele aus privaten Sammlungen stammen und teilweise noch nie öffentlich zu sehen waren. Churchill begann 1915 nach einer persönlichen Krise mit der Malerei und fand darin lebenslang Trost und Freude. Seine leuchtenden Landschaften aus Südfrankreich und Marokko zeigen einen überraschend sensiblen Beobachter von Licht und Atmosphäre.
https://www.wallacecollection.org/
Richard Dadd: Beyond Bedlam, Royal Academy of Arts | 25. Juli – 25. Oktober
Die erste große Retrospektive des viktorianischen Künstlers Richard Dadd (1817-1886) seit über 50 Jahren bringt rund 60 Gemälde und Aquarelle zusammen. Dadd konstruierte märchenhafte Welten, inspiriert von Shakespeare und der romantischen Literatur. Seine Werke entstanden zum großen Teil in einer viktorianischen Heilanstalt, in der er nach einem psychotischen Zusammenbruch 42 Jahre als Patient verbrachte. Dort schuf er mit außerordentlicher Detailgenauigkeit und technischer Raffinesse Werke wie „The Fairy Feller's Master-Stroke“ – ein Gemälde, das später Freddie Mercury zu Queens gleichnamigem Song inspirierte.
https://www.royalacademy.org.uk/exhibition/richard-dadd
Vanessa Bell & Duncan Grant, Tate Britain | 12. November 2026 – 11. April 2027
Diese Ausstellung widmet sich zwei der bedeutendsten britischen Kunstschaffenden des 20. Jahrhunderts und beleuchtet auch ihre persönliche Beziehung. Über 250 Werke dokumentieren die 50-jährige kreative und phasenweise romantische Partnerschaft zwischen Vanessa Bell und Duncan Grant, Schlüsselfiguren der legendären Bloomsbury Group, die für Freiheit und radikale Experimente Kunst, Literatur und gesellschaftliches Denken in Großbritannien stand. Ein besonderes Highlight ist die originalgetreue Nachbildung von Duncan Grants Studio aus Charleston, Sussex – jenem Landhaus, das Bell und Grant gemeinsam in ein Gesamtkunstwerk verwandelten. Ihre postimpressionistischen Gemälde, Möbel, Keramiken und Textilien bieten einen intimen Einblick in eine der spannendsten Künstlergemeinschaften Englands jener Zeit, zu der auch Virginia Woolf, Lytton Strachey, und E.M. Forster gehörten.
https://www.tate.org.uk/whats-on/tate-britain/vanessa-bell-and-duncan-grant


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